Terroranschlag trifft Tunesien hart: Touristen reisen ab

28. Juni 2015, 08:08
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Mindestens 38 Menschen wurden bei Angriff auf Touristen getötet

Sousse/Tunis – Nach dem Terroranschlag im tunesischen Sousse droht dem Tourismussektor des Landes massiver Schaden. Die großen Reiseveranstalter bieten ihren Kunden an, geplante Urlaube nach Tunesien kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Allein die britischen Anbieter Thomson und First Choice flogen am Samstag mit zehn Flugzeugen rund 2.500 Urlauber nach Hause.

An den Stränden des Badeortes, in dem am Freitag 38 Menschen von einem mutmaßlich islamistischen Täter erschossen worden waren, herrschte vor allem Leere. Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums dürfte es sich bei der Mehrzahl der Opfer um Briten handeln. Laut dem britischen Außenstaatssekretär Tobias Ellwood kamen bei dem Anschlag mindestens 15 Briten ums Leben. In Deutschland bestätigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier, dass unter den Toten auch mindestens ein Deutscher sei.

Laut tunesischem Gesundheitsministerium wurde bisher außerdem eine Belgierin identifiziert. Auch eine Irin und eine Portugiesin sind unter den Toten, wie die jeweiligen Regierungen mitteilten. Österreicher sind laut Außenministeriumssprecher Martin Weiss weder unter den Toten noch unter den Verletzten.

Attentäter erschossen

Zu dem Angriff auf das Strandhotel "Imperial Marhaba" am Mittelmeer bekannten sich Unterstützer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). In einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung hieß es, ein "Soldat des Kalifats" habe den "abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens" angegriffen. Der Attentäter war von Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Angreifer studierte nach bisherigen Erkenntnissen Elektroingenieurswesen in der Stadt Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Er hatte das Hotel in dem Mittelmeerort überfallen und am belebten Strand das Feuer eröffnet.

Der tunesische Regierungschef Habib Essid kündigte an, der Kampf gegen den Terrorismus sei nun nationale Aufgabe. Der nationale Sicherheitsrat beschloss, bis zu 80 Moscheen zu schließen, in denen Extremisten verkehren sollen. Außerdem sollen verdächtige Parteien oder Vereine eventuell aufgelöst werden.

Kampf gegen den Terror

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Tunesien in einem Telefonat mit Präsident Beji Caid Essebsi Unterstützung im Kampf gegen den Terror zu. Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere will am Montag an den Ort der Terrorattacke reisen.

Auch Frankreich will als Konsequenz aus dem offenbar islamistisch motivierten Anschlag auf ein Gaslager bei Lyon und die Enthauptung eines Mannes die Sicherheitskräfte aufstocken. Bei Polizei und Gendarmerie sollen 500 neue Stellen pro Jahr geschaffen werden, die Nachrichtendienste mit 1.500 neuen Mitarbeitern verstärkt werden.

In Kuwait wurden unterdessen die 27 Opfer des Selbstmordanschlags auf eine schiitische Moschee am Samstagabend beigesetzt. Die Terrormiliz IS hatte sich zu dem Angriff auf das Freitagsgebet bekannt. Ein mutmaßlicher Helfer des Selbstmord-Attentäters wurde nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KUNA festgenommen. Der 26-Jährige sei illegal im Land gewesen und habe den Attentäter in einem Auto zu der schiitischen Moschee gefahren, berichtete KUNA am Sonntag unter Berufung auf das Innenministerium. (APA, 28.6.2015)

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