Anne-Sophie Mutter: Bejubelte Reisen einer Königin

26. Juni 2015, 19:33
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Die Geigerin und Lambert Orkis im Großen Musikvereinssaal

Wien – Am Mittwoch war sie noch zum Staatsbankett zu Ehren von Queen Elizabeth II auf Schloss Bellevue geladen, am Abend darauf gab sie selbst im Großen Musikvereinssaal eine Generalaudienz: Anne-Sophie Mutter, die Langzeitregentin der deutschen Klassikbranche. Anstelle von Zepter und Reichsapfel herrscht sie mit Geige und Bogen, Lambert Orkis ist ihr seit Jahrzehnten ein treuer Begleiter.

Etwas spröde und steif, fast etwas zittrig begann sie Johannes Brahms' A-Dur-Sonate, welche die geplante zweite Sonate von Béla Bartók ersetzte. Die sonnigen Themen des Kopfsatzes wurden nur begrenzt frei ausgesungen, Orkis war ganz dienstbare Dezenz. Wunderschön die Seelenruhe und die Wärme im Andante tranquillo; im Finalsatz schaltete Mutter oft unvermittelt auf einen fetten russischen Ton um.

Gemischt auch die Eindrücke bei Beethovens später G-Dur-Sonate op. 96: Weniger Strenge, mehr Nuancen und Esprit hätte man sich im Finalsatz gewünscht. In der Einleitung des langsamen Satzes war Orkis die Ruhe selbst, die Akkorde waren wie Samtkissen, auf die Mutter die Geschmeide der melodischen Linien bettete. Handygebimmel, Husten und ein Fotograf hatten zuvor Unruhe ins Konzert gebracht.

Die spätromantische h-Moll-Violinsonate von Ottorino Respighi durchlebte Mutter dann in einem ideal dosierten Mischverhältnis von Feuer und Feinsinn. Auch Orkis agierte oft mit vulkanischer Energie, zauberte aber auch atemberaubende Farb- und Stimmungswechsel hin. Radikal und groß der Mittelsatz; betörend nun Mutters Geigenton, dicht und weich zugleich. Eine so energische wie laszive Tzigane von Maurice Ravel beschloss das Programm. Drei Zugaben: eine traumhaft schöne Melodie von Tschaikowsky, eine Jamaican Rumba von Arthur Benjamin, die Mutter mit Kunstturnerinnenstrenge absolvierte, und ein Ungarischer Tanz Nr. 1 von Brahms. Jubel für Königin Mutter und Knappe Orkis. (Stefan Ender, 26.6.2015)

  • Begeisterte ihre Bewunderer im Musikverein: die Königin der deutschen Klassikszene, Anne-Sophie Mutter.
    foto: ap/stan peska

    Begeisterte ihre Bewunderer im Musikverein: die Königin der deutschen Klassikszene, Anne-Sophie Mutter.

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