Anschläge in der arabischen Welt: Ramadan-Effekt

Kommentar26. Juni 2015, 17:54
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Ohne Zweifel hat der IS in diesem Monat noch Schreckliches vor

Der gefürchtete Ramadan-Effekt ist da, der zweite Freitag im islamischen Fastenmonat, der traditionell gläubigen Muslimen zur Besinnung auf ihre Religion dient, wird in der islamischen Welt zum Albtraum der Gewalt: Die Anschläge auf Touristenhotels in Tunis – mit der durchaus pragmatischen Nebenabsicht, den Fremdenverkehr und damit die tunesische Wirtschaft in die Knie zu zwingen – und auf eine schiitische Moschee in Kuwait sind nur die beiden blutigsten Beispiele.

Die antischiitischen Angriffe in der arabischen Welt gehören zum Krieg, den der "Islamische Staat" (IS) in der Region führt; dass sie während des Ramadan zunehmen werden, war prognostiziert worden. Auch andere befürchtete Entwicklungen treten ein: Man würde gerne glauben, dass die neuen Angriffe des IS im syrisch-kurdischen Kobane und in Hassakah – das heißt, im Westen und Osten des von den Kurden gehaltenen Gebiets an der syrisch-türkischen Grenze – lediglich als Entlastungsoffensive zu sehen sind, weil der IS in seiner syrischen Hauptstadt al-Raqqa unter Druck geraten ist. Aber dieser optimistischen Deutung ist nach dem neuen Vorstoß nach Kobane am Freitag nur mehr schwer zu vertrauen.

Ohne Zweifel hat der IS in diesem Monat, in den der Jahrestag der Gründung seines "Kalifats" fällt, noch Schreckliches vor. Strategien und Ressourcen, ihn kurzfristig zu stoppen, gibt es nicht. Es wird ein langer Ramadan. (Gudrun Harrer, 26.6.2015)

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