Zu viele CO2-Rechte verschmutzen den Markt

27. Juni 2015, 09:00
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Die "Verschmutzungsrechte", die die Firmen für das Jahr 2014 gratis bekommen haben, sind vielfach höher als die tatsächlichen Emissionen.

Wien/London – Die nun vorliegenden Daten über die Zuteilung von Verschmutzungsrechten am Treibhausgas CO2 (Kohlendioxid) für die österreichische Industrie zeigen für 2014 ein neues Bild: Den weiterhin hohen Gratiszuteilungen an den Zertifikaten standen im Vorjahr vielfach niedrigere tatsächliche Emissionen gegenüber, so eine Analyse des Londoner Beratungsunternehmens Carbon Market Data über die 50 größten österreichischen Emittenten.

Dafür gibt es zwei Gründe, so der zuständige Experte in der Industriellenvereinigung, Dieter Drexel: einerseits die Wirtschaftskrise, die den Werken Auslastung kostete. Andererseits sieht er in den Daten auch eine "self-fulfilling prophecy": Die Unternehmen würden laufend in energiesparende Technologien investieren, weshalb sie weniger fossile Energie benötigten. Und dies schlägt sich natürlich auf die Treibhausgasemissionen nieder.

Unverminderter Preisdruck

Die "Überallokation" (mehr Emissionserlaubnisse als tatsächlicher Ausstoß) war im Vorjahr in Österreichs Industrie bei einigen Firmen beträchtlich. Dies drückt natürlich auf den Preis der Zertifikate, der, wie berichtet, weit unter sieben Euro je Zertifikat (erlaubt die Emission von einer Tonne CO2) liegt. Bei Einführung des EU-weiten Handelssystems (ETS) vor einigen Jahren war man zumindest von 13 bis 15 Euro ausgegangen. Ab einem solchen Preis müssten die Unternehmen forciert in Alternativenergie umsteigen, so die Überlegung damals. Aktuell aber besitzen die Emittenten (und zwar alle in der EU) bereits so viele ungenutzte Zertifikate, dass sie rund ein Jahr ohne weitere Zukäufe auskommen könnten.

Denn die Zuteilung an Gratiszertifikaten basiert auf früheren Emissionsaufzeichnungen der Firmen. Wenn ein Unternehmen ein Werk runterfährt, bekommt es die Gratiszertifikate weiter und kann diese an andere Handelsteilnehmer weiterverkaufen.

Beispiele aus den Vorjahresemissionen, die, so die Kommission, publiziert werden müssen:

· Zementhersteller Wietersdorfer & Peggauer erhielten für das Werk Wietersdorf Zertifikate für 511.592 Tonnen; die Emissionen beliefen sich auf 397.425 Tonnen. Die sehr konjunkturabhängige Baustoff- und Zementindustrie ist nach Ansicht der EU keine Branche, die besonders von Importen geschützt werden muss. Allerdings kommen auf dem Schiffweg über die Donau immer wieder Baustoffe aus dem EU-Ausland, wo es keine Zertifikatsaufschläge gibt. Ernstbrunner Kalktechnik erhielten 37.920, haben aber nur 26.343 verbraucht.

· OMV Bei der Raffinerie Schwechat dürfte die "Unterdeckung" mit Gratiszertifikaten so sein, wie die EU es will. 1,75 Millionen Zuteilung stehen Emissionen von 2,7 Millionen gegenüber.

· Voest Der Stahlerzeuger ist Österreichs größter CO2-Emittent und ein Kritiker des Emissionshandels in der derzeitigen Form. Die historische Zuteilungsbasis benachteilige Unternehmen wie die Voest, die die Produktion stark ausweiteten. Energievergeudende osteuropäische Stahlerzeuger würden mit Gratiszertifikaten künstlich am Leben gehalten. Die Voest-Zahlen: Bei einem Bedarf von 12,4 Millionen Tonnen belaufen sich die "free allowances" auf 9,4 Millionen. (Johanna Ruzicka, 27.6.2015)

  • Die Voest kritisiert den Emissionshandel, weil Konkurrenten mit stagnierender Produktion nichtbenötigte Zertifikate mitnehmen können.
    foto: voestalpine

    Die Voest kritisiert den Emissionshandel, weil Konkurrenten mit stagnierender Produktion nichtbenötigte Zertifikate mitnehmen können.

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