Antonio Fian: Die Anteilnehmer

26. Juni 2015, 17:29
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Graz, Herrengasse

(Eine Gruppe schwarz gekleideter Menschen, aufgestellt nach der Art eines Chors. Sie erzeugen durch Wacheln mit Kronen-Zeitungen ein Geräusch wie von Jammern und Wehklagen. Die jeweiligen Sprecher treten einen Schritt vor.)

ODO DÖSCHL, LEOPOLDSDORF: Ich möchte den Betroffenen meine aufrichtige Anteilnahme aussprechen und den zahllosen Verletzten eine baldige Besserung wünschen.

STEPHAN PESTITSCHEK, STRASSHOF: Ich schließe mich dem an und stelle fest: Einige Medien bauen dem mutmaßlichen Mörder eine goldene Brücke. Ohne genaue Untersuchung und trotz diesbezüglicher Anzeichen wird ein religiöser-rassistischer Hintergrund ausgeschlossen. Man will das Bild vom immer guten Zuwanderer mit allen Mitteln aufrechterhalten.

MAG. MARTIN BEHRENS, WIEN: Auch von mir aufrichtige Anteilnahme und baldige Besserung. Dem rassistisch motivierten Wahnsinnigen, der vor wenigen Tagen in Charleston neun Menschen ermordet und viele verletzt hat, droht ohne Wenn und Aber die Todesstrafe. Beim Grazer Amokläufer, der vorsätzlich mindestens drei Menschen getötet und über 30 teils schwerst verletzt hat, wird schon im Vorfeld verharmlost und relativiert. Da konstruiert man ein Korsett an mildernden Umständen von "geistiger Verwirrung" über "Gewaltpsychose" bis hin zu einer möglichen "Kriegstraumatisierung", weil der Täter vermutlich als Kind während der Jugoslawienkriege aus Bosnien gekommen ist. Wer übrigens in seiner eigentlichen Heimat eine derartige Tat begeht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit an Ort und Stelle gelyncht.

RENATE SOMMER, PER E-MAIL: Mein herzliches Beileid allen Betroffenen. Wenn dieser Teufel einen geschickten Anwalt erhält, dann kommt er bald wieder aus dem Gefängnis. Dieser Mensch war mit Sicherheit nicht unzurechnungsfähig. Der Amtsbekannte mit bosnischer Herkunft hat es eben nicht verkraftet, durch die polizeiliche Wegweisung in seiner männlichen Ehre beleidigt worden zu sein. Oder war es doch ein terroristisches Vorhaben?

ODO DÖSCHL, LEOPOLDSDORF: In Anbetracht des Grazer Amokfahrers sollte man endlich über die Handhabung unseres Asylrechts nachdenken. Es ist keineswegs jeder Flüchtling kriminell, aber es ist sicherlich kein Fehler, wenn man mit der Unsitte der Einbürgerungen aufhört und jeden im Land belässt, um ihm unsere wertvolle Staatsbürgerschaft nachzuwerfen! In diesem Sinne möchte ich den Betroffenen meine aufrichtige Anteilnahme aussprechen und den zahllosen Verletzten eine baldige Besserung wünschen.

(Sie treten wieder zurück in die Gruppe und erzeugen mit den anderen durch Wacheln mit Kronen-Zeitungen ein Geräusch wie von Jammern und Wehklagen.

Vorhang)

Material: "Das freie Wort – Briefe an die Herausgeber", "Kronen Zeitung" , 23. 6. 2015
(Antonio Fian, 26.6.2015)

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