Polizeiruf 110 aus München: Im Kreis der Einsamen

27. Juni 2015, 11:11
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Kommissar von Meuffels hat eine neue Kollegin, die trockene Alkoholikerin ist

Was muss das für eine Ehe sein, in der die Frau ihren Möbelbetrieb lieber nach dem Hund benennt? Keine gute, das ist schnell klar im Polizeiruf 110 (Kreise), der an diesem Sonntag völlig unmünchnerisch, weil in der umländischen Provinz beheimatet, daher kommt.

Jetzt liegen Frau & Hund tot im Wald, nur notdürftig verscharrt. Alles weist auf den Ehemann Peter Michael Brauer (Justus von Dohnányi) hin. Der hätte einige Ideen – was heißt Ideen – Visionen hätte er gehabt, um die Firma wieder flottzukriegen. Aber die Frau, die ihn ohnehin nur demütigte, wollte lieber an einen ausländischen Investor verkaufen.

All diesen Frust erzählt er sich in den langen, langen Verhören mit Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) von der Seele. „Immer kreist derselbe Zug um dieselbe Welt, nichts ändert sich“, klagt er und meint nicht nur seine Modelleisenbahn, die am Schluss aber doch noch Teil einer bizarren Szene werden darf.

Stundenlang könnte man in diesem ersten Polizeiruf des Regisseurs Christian Petzold den beiden zuhören, gäbe es da nicht noch weitere Perlen: Kommissar von Meuffels hat eine neue Kollegin, Constanze Hermann (Barbara Auer). Die ist trockene Alkoholikerin und wirkt genauso einsam wie er und der Verdächtige.

Sie und der Kommissar müssen auch viel in der düsteren, leeren Polizeistation reden und im Regen mit dem Auto fahren. Bald schon zeigt sich eine sehr zarte, aber doch über das Berufliche hinaus gehende Sympathie zwischen den beiden.

Das ist natürlich viel spannender als die Mördersuche, zumal das leise zwischenmenschliche Knistern endlich einmal nicht von aufdringlicher Musik zugekleistert wird. (Birgit Baumann, 27.6.2015)

  • Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und Constanze Hermann (Barbara Auer) werden ins Münchner Umland zu einem bizarr inszenierten Tatort gerufen.
    foto: br/christian schulz

    Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und Constanze Hermann (Barbara Auer) werden ins Münchner Umland zu einem bizarr inszenierten Tatort gerufen.

  • Völlig aufgelöst: Jan Hoffer (Daniel Sträßer) am Tatort. Seine Mutter, die Eigentümerin einer lokalen Möbelmanufaktur, wurde gemeinsam mit ihrem Schoßhündchen ermordet.
    foto: br/christian schulz

    Völlig aufgelöst: Jan Hoffer (Daniel Sträßer) am Tatort. Seine Mutter, die Eigentümerin einer lokalen Möbelmanufaktur, wurde gemeinsam mit ihrem Schoßhündchen ermordet.

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