Die Zukunft des User Interfaces sind Textnachrichten

12. Juli 2015, 12:10
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Messenger als universelle Oberfläche – Neue Services erlauben immer mehr Funktionen mittels Texteingabe

Eigentlich klingt es paradox: Nach jahrzehntelanger Verfeinerung von grafischen User Interfaces sehen die Design-Experten die Zukunft an ganz anderer Stelle: Bei der Texteingabe. So sieht es zumindest das Magazin Wired in einem aktuellen Artikel.

Einfach

Textnachrichten hätten sich längst zum universellen User Interface entwickelt. 97 Prozent aller Smartphone-Nutzer verschicken regelmäßig Textnachrichten, fand Pew Reserach unlängst in einer Studie heraus. Zudem: Wo grafische Oberflächen eine gewisse Einlernzeit benötigen, ist Text umgehend für alle verständlich. Diesen Umstand weiß eine rasch wachsende Zahl neuer Services zu nutzen.

Magie

Darunter etwa Magic, ein Dienst der verspricht, praktisch alles für seine Nutzer zu erledigen. So kann man hier über Textnachrichten eine Playlist anfordern, einen Flug umbuchen lassen oder ein Motorrad bestellen. Alles Dinge, die Justin Kan, Multimillionär und Co-Gründer von Twitch und Justin.TV, ausprobiert und in seinem Blog dokumentiert hat.

Dahinter steht freilich keine Magie sondern schlicht eine menschlicher Concierge-Service. Das Entscheidende dabei ist aber, wie zuverlässig und schnell solche Aufgaben im Hintergrund an die jeweils kompetente Person verteilt werden.

Bestellen

Doch auch auf der anderen Seite des Planeten findet aktuell ein Aufschwung der Text-Interfaces statt: In China werden immer mehr Aufgaben über den Messenger erledigt. Wer seinen Kontostand wissen will, schreibt einfach per WeChat an seine Bank, wer ein Restaurant reservieren will, verfasst eine kurze Mitteilung an einen Bestellservice. Die Interaktion findet hier mal mit einem Bot, mal mit einer realen Person statt. Beides sei aber auf jeden Fall einfacher als erst eine App öffnen und dort navigieren zu müssen – die sich oft unterschiedlicher UI-Prinzipien bedienen.

Schrittweise

Das Ende des grafischen User Interfaces wird damit freilich noch länger nicht eingeläutet, immerhin lässt sich nicht alles so einfach ersetzen. Der Trend, dass immer mehr Services auch über einen Messenger erreichbar sind – und damit nach und nach Apps verdrängen – zeichnet sich aber unübersehbar ab. Entscheidend für den Erfolg solcher Services wird nicht zuletzt sein, wie gut Bots die menschlichen Eingaben verstehen. Denn ein menschliches Gegenüber für jede Aufgabe wird immer ein Luxus-Angebot für wenige bleiben. (red, 12.7.2015)

  • Werden Messenger wie WhatsApp oder iMessage nach und nach Apps verdrängen?
    foto: apa/epa/andrew gombert

    Werden Messenger wie WhatsApp oder iMessage nach und nach Apps verdrängen?

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