Demenz als gesellschaftliche Herausforderung von heute

26. Juni 2015, 12:04
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"Identität hängt nicht von unseren Bewusstseinsleistungen ab", hieß es bei den Diakonie-Dialogen zum Thema Demenz

Leben mit Demenz gemeinsam gestalten – so lautete das Thema der diesjährigen Diakonie-Dialoge in der voestalpine Stahlwelt Linz. Die Erkrankung entwickelt sich zu einer bedeutenden sozialen, politischen, ökonomischen und humanitären Herausforderung, waren sich die Referenten der 21. Diakonie-Dialoge einig.

Das Thema wurde nicht zuletzt aufgrund seiner Aktualität und gesellschaftlichen Relevanz gewählt, sondern auch, weil das Diakoniewerk für eine inklusive Gesellschaft eintritt. Was bedeutet das mit Blick auf Menschen mit Demenz? Bedeutet Demenz an den gesellschaftlichen Rand gedrängt zu werden, und wie kann Inklusion gelingen?

Kein Verlust der Identität

"Exklusion und Inklusion von Menschen mit Demenz beginnen in unseren Köpfen und in der Art und Weise, wie wir über diese Menschen sprechen", sagt Ulrich Körtner vom Institut für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien.

Wir definieren uns heute über Wissen und Leistung, beides lässt bei Demenzkranken klarerweise nach, so Körtner: "Doch Fakt ist, dass Identität nicht von unseren Bewusstseinsleistungen abhängen. Der Verlust unseres Intellektes und unseres Erinnerungsvermögens bedeutet darum nicht den Verlust unserer Identität."

Angehörige miteinbeziehen

Wichtig ist es, nicht nur die Patienten selbst zu behandeln, sondern auch die Familie unterstützend zu begleiten. Psychotherapeutin Sabine Oswald, die Demenzkranke und ihre Angehörigen begleitet, appelliert an Familienmitglieder, sich nicht zu überfordern, denn damit ist keinem geholfen.

Schließlich kann eine Überbehütung zu einem Verlust des Selbstwertgefühls und zu Angst, Aggression und Ablehnung auf beiden Seiten führen. "Deshalb muss man auf die eigenen Gefühle hören. Auch die Betreuung von Angehörigen ist Arbeit und braucht Pausen" sagt Oswald. Man müsse persönliche Grenzen ausloten und, wenn nötig, auch "Nein" sagen.

Regelmäßig in Salzburg und Linz

Seit 1994 veranstaltet das Diakoniewerk in Salzburg die Diakonie-Dialoge – eine Fachtagung, die sich alljährlich, relevanter Themen aus der Seniorenarbeit annimmt, für Pflegemitarbeiter, Führungskräfte, Interessensvertreter und Angehörige. Seit 2011 finden die Diakonie-Dialoge abwechselnd in Linz und in Salzburg statt. Die Diakonie-Dialoge 2016 gehen am 24. Juni in Salzburg wieder über die Bühne. (red, 26.6.2015)

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