Finanzielle Nöte: Roms Oper bekommt Hilfe aus Asien

26. Juni 2015, 11:18
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Ausländische Mäzene spielen eine immer wichtigere Rolle für Roms Kunstsektor

Rom – Nach der schmerzhaften Trennung von seinem Ehrenpräsidenten Riccardo Muti hofft Roms Opernhaus auf einen Neubeginn. Eine Million Euro spendet jetzt der als Malaysia stammende Großunternehmer Francis Yeoh Tan Sri der römischen Oper, kündigte Italiens Kulturminister Dario Franceschini an.

Der Geschäftsführer der in Asien und Großbritannien aktiven Gruppe YTL zählt laut "Bloomberg Business" zu den 25 einflussreichsten Persönlichkeiten Asiens. Der Unternehmer steigt als Privataktionär in den Rat des Theaters ein. "Ich hoffe, dass ich dazu beitragen werde, aus Roms Oper ein Spitzentheater der Welt zu machen", betonte Yeoh Tan Sri nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Freitag. "Mit diesem Beitrag werden wir mehrere Projekte finanzieren könne", berichtete Opernintendant Carlo Fuortes.

Turbulente Zeiten

Roms Oper hat turbulente Zeiten hinter sich und hofft wieder auf Aufschwung. Im September hatte das in finanzielle Nöte geratene Opernhaus den Abgang des Stardirigenten Muti hinnehmen müssen, der sich im Streit mit der Theaterführung getrennt hatte. Er sehe keine Grundlage für eine erfolgreiche und ruhige Arbeit an dem Theater, hatte er seinen Rücktritt erklärt. Im Oktober waren im Rahmen einer kollektiven Kündigung 182 Mitglieder des Orchesters und des Chors entlassen worden. Die Kündigungen waren danach widerrufen worden, die Musiker mussten jedoch Vertragsänderungen hinnehmen.

Dank der Vertragsänderung kann die römische Oper drei Millionen Euro pro Jahr sparen. Eine Reihe von Boni, die den Musikern bisher zustanden, wurden für die Jahre 2015 und 2016 eingefroren. Sollte das Theater die Gewinnschwelle erreichen, sollen die Boni nachgezahlt werden, geht aus der Einigung hervor.

Unternehmen profitieren von "Art Bonus"

Ausländische Mäzene spielen eine immer wichtigere Rolle für Roms Kunstsektor. Immer mehr finanzstarke Unternehmen profitieren vom "Art Bonus", dem Steuerguthaben in Höhe von 65 Prozent für Mäzene, die mit Schenkungen die Renovierung und Verwertung von Denkmälern und Opernhäusern fördern.

Mit dem "Art Bonus" soll nicht nur die Restaurierung bereits bestehender Opernhäuser finanziert werden. Neue Theater können errichtet und neue Opernproduktionen unterstützt werden, berichtete Kulturminister Franceschini. Damit fördere man die Kooperation zwischen privater und öffentlicher Hand im Kulturbereich. Die finanzielle Autonomie der Opernhäuser werde damit auf konkrete Weise unterstützt.

Abkommen mit Aserbaidschan

Roms Bürgermeister Ignazio Marino hatte im vergangenen Jahr ein Abkommen mit Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev geschlossen. Demnach soll Aserbaidschan einen Beitrag von einer Million Euro für Ausgrabungen unter der sogenannten Via Alessandrina in den Kaiserforen leisten. Die Ausgrabungen sollen zwei Jahre dauern.

Auch die Ludus Magnus, die größte der vier bekannten Schulen für Gladiatoren in Rom, soll zu neuem Leben erwachen. Die "Gladiatorenschule", die unter Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.) in einer Senke zwischen den Hügeln Esquilin und Caelius errichtet wurde, soll dank einer Spende des Emirats Kuwaits von über zwei Millionen Euro restauriert werden. (APA, 26.6.2015)

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