Früherer russischer Regierungschef Primakow gestorben

26. Juni 2015, 11:26
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Chefspion, Ex-Außenminister und späterer Ministerpräsident verstarb 85-jährig

Moskau – Der frühere russische Regierungschef Jewgeni Primakow ist nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren in Moskau gestorben. Das meldeten russische Agenturen am Freitag. Präsident Wladimir Putin drückte den Angehörigen sein "tiefes Beileid" aus, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow mitteilte.

Jewgeni Maximowitsch Primakow, am 29. Oktober 1929 in Kiew geboren und in Tiflis aufgewachsen, war von September 1998 bis Mai 1999 Regierungschef Russlands. Zuvor war er Journalist und arbeitete als Korrespondent der KP-Zeitung "Prawda" im Nahen Osten. Später war er als Direktor des Orientalistik-Instituts und des Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen der Akademie der Wissenschaften tätig.

Gute Beziehungen zu Saddam Hussein

In die KPdSU trat Primakow unter Nikita Chruschtschow ein. Doch erst nach dem Machtantritt Michail Gorbatschows 1986 gelangte er in hohe Parteiämter. 1991 wurde er Chef des Auslandsgeheimdienstes. 1996, unter Boris Jelzin, übernahm er das Amt des Außenministers und trat zwei Jahre später an die Spitze der Regierung. Jelzin entließ ihn 1999 und begründete dies mit dessen Erfolglosigkeit bei der Belebung der Wirtschaft. Auch politischer Druck aus Washington, so wurde spekuliert, könnte Einfluss gehabt haben. Ab 2001 war Primakow Vorsitzender der Handels- und Industriekammer Russlands.

Für Aufsehen sorgten Primakows Kontakte mit dem irakischen Exdiktator Saddam Hussein, zu dem er trotz internationaler Ächtung in den 1990er-Jahren gute Beziehungen unterhielt. Er ist ein Kenner des Nahen und Mittleren Ostens und sagte von sich selbst, "kein Mann des Westens" zu sein, obwohl er gute Kontakte mit dem Westen pflegte. Primakow lehnte die NATO-Erweiterung ab, galt als Gegner der US-amerikanischen Irak-Politik und protestierte 1999 gegen den Kosovo-Krieg. (APA, 26.6.2015)

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