Wandern im Angesicht der Watzmann-Ostwand

26. Juni 2015, 14:58
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Das Halsköpfl am Königssee geizt nicht mit Attraktionen: eine Bootsfahrt, die Wallfahrtskirche St. Bartholomä und die höchste Wand der Ostalpen

In Schönau am Königssee brummt die Tourismusindustrie. Hinter dem riesigen – gebührenpflichtigen – Parkplatz reihen sich Richtung See die Standln aneinander. Alle bieten mehr oder weniger denselben Alpenkitsch.

Der Königssee gehört zweifellos zu den Landschaftshighlights der Region und wird entsprechend vermarktet. Gleichzeitig ist er aber auch Herzstück des Nationalpark Berchtesgaden. Dass beides zusammengeht, demonstrieren die geschäftstüchtigen Bayern seit Jahrzehnten. Der Zugang ist durch die Bootsflotte streng reglementiert, und abseits der Hauptspazierwege nahe der Wallfahrtskirche St. Bartholomä direkt unter der Watzmann-Ostwand und in Salet an der Südspitze des Sees sind nur ein paar versprengte Wanderer und Bergsteiger anzutreffen.

foto: thomas neuhold
Fjordartig schmiegt sich der Königssee in den Nationalpark Berchtesgaden.

Neben Kirche und See lässt vor allem die Dimension der Ostwand des Watzmanns die Nicht-Bergsteiger staunen. Über 2.000 Höhenmeter ragt die Wand fast direkt vom Seeufer empor. Lange galt sie als "Todeswand". Mehr als 100 Bergsteiger haben in der "Ost" ihr Leben verloren. Es ist hier förmlich zu hören das "Auffi", das dem jungen Bub im Watzmann von Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz zum Verhängnis geworden ist.

Wenig Zeit zum Trödeln

So raß geht es die Halsköpfelrunde zwar nicht an, aber wer diese als Tagestour ohne Übernachtung auf der Wasseralm in Angriff nehmen möchte, sollte auf jeden Fall das erste Boot in Schönau erwischen. Da für die Gesamtrunde bei durchschnittlicher Kondition acht Stunden Nettogehzeit zu veranschlagen sind, bleibt nicht viel Zeit zum Trödeln, will man das letzte Schifferl nicht versäumen. Und das wäre blöd, denn an der Südseite des Königssees gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit.

foto: thomas neuhold

Still gleitet dann das Elektroboot vorbei am Malerwinkel zur Echowand. Hier wird es kurz lauter, denn die Schiffmannschaft demonstriert das Echo gerne mit einem Trompetensolo. Rund eine Stunde braucht das Elektroboot für die neun Kilometer nach Salet.

Seilgesichert zur Wasseralm

Von Salet folgt die Route anfangs dem Spazierweg zum Obersee, vorbei an dessen Südufer in die Fischunkel. Der Anstieg führt steiler werdend an die Felswände heran bis zu einer Wegteilung. Nach rechts (Süden) geht es teilweise etwas ausgesetzt und seilgesichert über den Röthsteig durch Felsgelände zur malerischen Lichtung der Wasseralm (hierher rund 3,5 Stunden Anstieg). Wer den Röthsteig meiden will, kann diesen über den Landtalsteig nach Norden und bei der ersten Abzweigung direkt am Reitweg nach Süden umgehen. Zeitverlust zirka eine halbe Stunde.

foto: thomas neuhold

Hinter der Wasseralm wandert man auf einem ruppigen Steig nach Nordwesten, bis man an einer Tropfwand vorbeikommend plötzlich vor dem Halsköpfl steht. Zwar nur 1.719 Meter hoch, aber trotzdem eintausend Meter über dem Königssee und direkt im Angesicht der Watzmann-Ostwand. Ein besonderer Aussichtspunkt.

Will man das letzte Schiff (Sommerfahrplan, im Herbst wird das Zeitfenster schmäler) einigermaßen verlässlich erreichen, dann sollte man hier spätestens um 14 Uhr aufbrechen. Am Weg liegt noch der unberührte Schwarzsee ehe es dann teilweise steil und seilgesichert durch die Sagereckwand zurück nach Salet geht. (Thomas Neuhold, 26.6.2015)

karte: der standard

Anreise: Busverbindung ab Salzburg Hauptbahnhof http://fahrplan.oebb.at

Schifffahrplan: www.seenschifffahrt.de

Einkehr/Übernachtung: Wasseralm www.dav-berchtesgaden.de

Gefahren: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit obligat. Bei Nässe teilweise rutschig.

Landkarte: Kompass Nr. 14, "Berchtesgadener Land", Maßstab 1:50.000.

Literatur: Sepp Brandl, "Berchtesgadener und Chiemgauer Wanderberge", Verlag Rother, München 2003.

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