Wichtigster russischer TV-Preis geht an umstrittene Propaganda-Sendung

26. Juni 2015, 08:38
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In Russland ausgezeichneter Moderator gilt in der Europäischen Union als "zentrale Figur der Regierungspropaganda"

Moskau – Die vom staatlichen "Rossija 1" ausgestrahlte Sendung "Westi nedeli" ("Nachrichten der Woche") hat Donnerstagabend den wichtigsten russischen Fernsehpreis TEFI als "bestes Nachrichtenprogramm" gewonnen. International gilt die Sendung als Werkzeug russischer TV-Propaganda, Moderator Dmitri Kisseljow wurde deshalb vergangenes Jahr auch auf eine EU-Sanktionsliste gesetzt.

Die Preisverleihung des Fernsehpreises TEFI, der seit 1994 vergeben wird, fand am Donnerstagabend in einem Moskauer Fernsehstudio statt. In der Hauptkategorie zeichnete die Jury, die sich nahezu ausschließlich aus Mitarbeitern von staatlichen oder staatsnahen TV-Sendern zusammensetzt, "Westi nedeli" als "bestes Nachrichtenprogramm" mit der TEFI-Statuette aus.

Ukraine wichtigstes Thema

Kisseljows etwa zwei Stunden langes Programm, das jeden Sonntagabend auf "Rossija 1" gesendet wird, zeichnet sich durch eine antiwestliche Positionierung sowie durch eine überaus lobende Berichterstattung über den russischen Präsidenten Wladimir Putin aus. Mit dem Beginn politischer Proteste gegen die Janukowitsch-Führung im November 2013 avancierte die Ukraine zu einem der wichtigsten Themen der Sendung. Aber auch kriegerische Töne gehören zum Repertoire des Moderators, der für seine expressiven Handbewegungen bekannt ist: "Russland ist das einzige Land, das die USA in radioaktive Asche verwandeln kann", erklärte Kisseljow Mitte März 2014.

Seit Ende März 2014 findet sich der 61-jährige Kisseljow, der parallel als Leiter der staatlichen russischen Nachrichtenagentur "Rossija Segodnja" ("Russland Heute") amtiert, auf einer EU-Sanktionsliste und darf nicht mehr in die Europäische Union einreisen. In der EU-Ratsentscheidung, die sich damals auf die Annexion der Krim bezog, hieß es, dass Kisseljow eine "zentrale Figur der Regierungspropaganda für die Entsendung russischer Streitkräfte in die Ukraine" gewesen sei. (APA, 26.6.2015)

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