Casinos-Chef will Konzern komplett umbauen

26. Juni 2015, 08:38
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Die Lotterien sollen zu 100 Prozent unter ein Dach, Konzernchef Stoss hätte auch nichts gegen internationalen Eigentümer

Glücksspiele/Casinos Austria/Österreich/Wien/Interview – – Banken wollen Anteile abgeben, aber nicht alle – Stoss hätte nichts gegen internationalen Eigentümer

Wien – Casinos-Austria-Chef Karl Stoss schwebt eine komplett neue Konzernstruktur vor. Unter einer schmalen Finanzholding sollen zu 100 Prozent die operativen Gesellschaften Casag (Casinos Austria), Casinos Austria International (CAI), Lotterien, win2day, WINWIN und zu 56 Prozent die Sportwettentochter tipp3 hängen. "Dann brauchen wir noch eine Service-GmbH", sagte er.

Dafür müssten die Casinos die Lotterien zur Gänze übernehmen, sich also auch die restlichen 32 Prozent einverleiben. Diese 32 Prozent, die rund 200 Millionen Euro wert sein sollen, gehören jetzt der Lotto-Toto Holding (LTH), hinter der wiederum diverse Banken, Stiftungen und der ORF stehen.

Manche Banken wollen Anteile loswerden

Anstatt dass die Casag die Lotto-Anteile kauft, könnte die LTH in die Casag eingebracht werden, so Stoss' Plan. "Dann können sie immer noch entscheiden, wer verkauft oder drinbleibt."

Dem Casinos-Boss zufolge haben einige Banken und Versicherungen großes Interesse, ihre Anteile an den Lotterien bzw. den Casinos loszuwerden. Grund seien die strengeren Kapitalvorschriften für Finanzbeteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft zählen (Basel III bzw. Solvency II).

Neue Struktur bis 2015

Andere wollen dagegen eher aufstocken: Neben der ÖBIB vielleicht Teile der Medial und die Kirchenbank Schelhammer & Schattera, die seit Kurzem im Eigentum der Grawe steht, ihre Glücksspielanteile aber aus ethischen Gründen eigentlich seit Jahren loshaben wollte. Die Medial Beteiligungs-Gesellschaft m.b.H. ist mit 38 Prozent größte Casinos-Aktionärin, sie gehört Schelhammer & Schattera, der Donau Versicherung (VIG), dem vom Ex-ÖVP-Vizekanzler geführten Mühlenkonzern Leipnik Lundenburger (LLI) und der Uniqa. Stoss hofft, dass die neue Struktur bis Ende 2015 steht.

Einen neuen Lotterien-Vorstand brauche es nach dem Abgang von "Mr. Lotto" Friedrich Stickler mit Jahresmitte – er geht in Pension – nicht. "Es wird keine Ausschreibung geben", so Stoss. Sticklers Aufgaben übernehmen die übrigen Vorstände: Stoss selbst verantwortet die Casinos im In- und Ausland und ab nun auch den Bereich Services, Bettina Glatz-Kremsner die Lotterien samt Marketing und Dietmar Hoscher die Video Lottery Terminals (WINWIN-Automatensalons), tipp3 und Spielerschutz.

Neuerliche Bewerbung als Chef

Stoss' Vertrag als Casinos-CEO läuft bis Ende 2016. Er will sich aller Voraussicht nach noch einmal bewerben. "Turbulente Zeiten machen das Leben spannend. Ich bin jetzt achteinhalb Jahre dabei und hätte noch einiges vor." Ob er sich vorstellen kann, weiterzumachen, wenn Novomatic seine Anteile an den Lotterien aufstockt? "Es ist kartellrechtlich ausgeschlossen, dass Novomatic über 24,9 Prozent kommt."

Grundsätzlich "fürchte ich Novomatic nicht". Stoss könnte sich vorstellen, im Ausland mit dem finanzstarken Partner gemeinsame Projekte durchzuführen. "Gemeinsam hätten wir eine fast vollständige Wertschöpfungskette." Im Inland jedoch "wüsste ich nicht, was uns die Novomatic zeigen könnte." Gespräche mit Novomatic-Eigentümer Johann Graf hat Stoss noch nicht geführt.

Auch gegen einen internationalen Eigentümer hätte Stoss nichts. Der Wiener Finanzinvestor Peter Goldscheider will ja, gemeinsam mit zwei bereits im Glücksspielgeschäft aktiven tschechischen Milliardären, 55 Prozent an den Casinos übernehmen. Deren gemeinsames Finanzvehikel Epic hat der Medial sowie der MTB Privatstiftung von Maria Theresia Bablik ein Angebot gelegt. "Wenn ich versuche, mich in deren Strategie hineinzuversetzen, kann ich mir vorstellen, dass wir gut hineinpassen würden." Der tschechische Milliardär Karel Komarek hat bereits den staatlichen Lotto-Monopolisten Sazka übernommen, außerdem ist seine Gruppe KKCG Großinvestor beim Investmentfonds Emma Delta, der den griechischen Spielanbieter OPAP kaufte. "Sie sind auch an der türkischen Lotterie dran", so Stoss.

Um Jobs in Österreich fürchtet der Casinos-Chef nicht. "Die Jobs sind abgesichert, weil wir die Verpflichtung haben, die Konzessionen zu erfüllen." Die Lizenzen für die Spielbanken und die Lotterien laufen noch 13 bis 15 Jahre. Aber natürlich sei das Casinogeschäft kapital- und personalintensiver als das Lotteriengeschäft, so Stoss. (APA, 26.6.2015)

  • Konzernchef Stoss will bei den Casinos Austria kräftig an Rad drehen.
    foto: reuters/francois lenoir

    Konzernchef Stoss will bei den Casinos Austria kräftig an Rad drehen.

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