Essenslieferservices liefern sich im Netz harten Kampf um Kunden

26. Juni 2015, 08:01
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Der Markt hat sich konsolidiert, nur weniger blieben über – Marketingausgaben fressen noch Profite auf

Vier Mal im Jahr bestellen die Österreicher ihr Essen im Schnitt online. Der Markt für bestelltes Essen ist 500 Mio. Euro schwer, wobei hier auch Telefonbestellungen mitzählen. "80 Prozent der Order erfolgen immer noch telefonisch", beklagt Jitse Groen, der vor 15 Jahren die Bestellplattform takeaway.com gründete und zu den 500 reichsten Niederländern zählt, im Gespräch mit der APA.

Wachstum

In Österreich gehört lieferservice.at zum Takeaway-Reich, das in neun Ländern vertreten ist, darunter auch in Vietnam. Das Potenzial sei riesig, Österreich sei eines der am stärksten wachsenden Länder innerhalb der Gruppe. "Mittlerweile haben wir 200.000 Bestellungen pro Monat. Vor drei Jahren waren es noch 200.000 im Jahr", erzählt der 36-jährige Niederländer. Damit hat lieferservice.at nun nach eigenen Angaben den bisherigen Marktführer mjam.at vom Thron gestoßen. 65 Prozent der Bestellungen gingen bereits über Smartphones ein.

lieferservice.at hat in Österreich 1.500 Restaurants an sein Bestellsystem angeschlossen, doppelt so viele wie Mjam, so Groen. Künftig will die Plattform auch etwa 5.000 Abhol-Restaurants für sich gewinnen, um am Markt noch mehr Gewicht zu bekommen. Statt sich Essen und Getränke liefern zu lassen, sollen die Kunden in Zukunft auch selber abholen können. Groen stellt sich Kooperationen mit Starbucks und Burger King vor, oder mit Tankstellen. Er spreche mit allen möglichen Ketten, sagte der Unternehmer, ohne Details zu verraten.

Ranking

Essensbestellplattformen bewegen in Europa hunderte Millionen. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren konsolidiert, übrig blieben nur einige wenige. Nummer 1 in Europa ist die englische Plattform JustEat, die auch an der Börse notiert. Dann folgen Takeaway und der deutsche Marktführer Delivery Hero, zu dem lieferheld.de, Mjam und pizza.de gehören. Weltmarktführer ist Grubhub aus den USA.

Bestellt wird fast überall das Gleiche, und zwar in erster Linie Pizza. Außer in England, dort sei indisches Essen an erster Stelle. Gesundes Essen spiele kaum eine Rolle, wenngleich im Vergleich zu früher mehr Sushi und Wok-Gerichte bestellt würden, räumte Groen ein.

lieferservice.at wickelt im Jahr etwa 2,4 Millionen Bestellungen ab und fährt damit für die heimischen Restaurants einen Umsatz von rund 50 Mio. Euro ein. Für die Vermittlung zwischen Kunden und Restaurants streicht die Plattform eine Gebühr von 8 Prozent des Bestellumsatzes ein. Geld, das gleich wieder von den Marketingausgaben aufgefressen wird. "Als Nummer 1 musst du ins Marketing investieren, um die Nummer 1 zu bleiben. Als Zweiter musst du investieren, um aufzuholen. Das drückt die Profite", sagte Groen. Allein in Österreich steckt das Unternehmen einen hohen einstelligen Millionenbetrag in die Werbung. Denn in zwei Jahren soll lieferservice.at 1 Million Bestellungen pro Monat abwickeln, hat sich Groen als Ziel gesetzt.

Kein Gewinn

Abgesehen von Holland und Belgien schreiben Groens Plattformen in allen Ländern Verluste. Die österreichische Seite soll in zwei Jahren profitabel sein. Und Deutschland? Da lacht der Unternehmer. Trotz der Übernahme der deutschen Essensbestellplattform Lieferando im Vorjahr ist der Niederländer die Nummer 2 in Deutschland und steckt in den roten Zahlen. Groen sieht es gelassen: "Das ist nicht so schlimm, das interessiert uns nicht so. Für uns ist es wichtiger, so groß wie möglich zu werden." In den fünf wichtigsten westeuropäischen Ländern lebten 280 Millionen Menschen, etwa die Hälfte davon bestelle zumindest einmal im Jahr Essen im Internet. "Aber eben leider nicht alle bei uns. Das heißt, es gibt noch enorm viel Potenzial." In Deutschland soll in ein bis zwei Jahren die Marktführerschaft gelingen.

Dass takeaway.com noch immer in der Verlustzone steckt, stört offenbar auch seine Investoren nicht. Groen gehören inzwischen nur noch etwas unter 50 Prozent an der Firma mit rund 500 Beschäftigten. Mehr als 45 Prozent halten der IT-Investor Prime Ventures sowie der australische Finanzdienstleister Macquarie. Den Rest besitzen die Lieferando-Gründer aus Berlin. In Summe habe er bereits 87 Mio. Euro von Investoren einsammeln können, erzählte Groen. Auch als Übernahmeziel sei takeaway.com begehrt. Groen denkt aber nicht an einen Verkauf. "Was soll ich dann tun?" Ein Börsengang sei ebenfalls kein Thema. "Wir werden oft von Börsen gefragt, weil die suchen Tech-Unternehmen. Ich kenne Chefs von börsennotierten Unternehmen und die sagen immer zu mir, mach das nicht."

Mit einem geschätzten Vermögen von 35 Mio. Euro hat es Groen laut dem holländischen Wirtschaftsmagazin Sprout 2014 erstmals unter die 500 reichsten Niederländer geschafft. (APA, 26.6.2015)

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