Quartiere bei Privaten und mehr Geld vom Bund

25. Juni 2015, 17:52
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Flüchtlingshelfer enttäuscht und zornig – aber weiter auf der Suche nach Lösungen

Wien – Flüchtlingshelfer, die in der Praxis mit der Flüchtlingsquartiernot konfrontiert sind, reagierten auf das Platzen des Landeshauptleute-Asylgipfels mit Enttäuschung und Zorn – und fordern dringend Lösungen ein: "Der Gipfel war eine humanitäre Niederlage. Verlierer sind die Flüchtlinge, die in Traiskirchen auf dem Boden schlafen – sowie Ministerin Johanna Mikl-Leitner", sagte Caritas-Direktor und Sitzungsteilnehmer Michael Landau zum Standard.

Mit den beim Gipfel bis Ende Juli fix versprochenen 2500 Zusatzplätzen in den Ländern nämlich, so Landau, werde die für Asylagenden letztverantwortliche Ministerin nicht weit kommen. Der Bedarf sei viel größer. Von einer kolportierten 6500-Plätze-Zusage der Länder wussten mehrere Gipfelzeugen nichts.

Offener Brief

"Es reicht! Es ist nicht weniger als eine Schande für Österreich, dass Kinder, Frauen und Männer in Zelten hausen müssen!", schreibt die Flüchtlingshelferin Ute Bock in einem am Donnerstag publizierten offenen Brief. Sie appelliert an die Bevölkerung: "Wenn Sie Platz haben, nehmen Sie Flüchtlinge auf! Helfen Sie mit, dass die Zeltlager so schnell wie möglich verschwinden."

Besagte Zeltlager würden die Bürger vor allem deshalb verunsichern, "weil die Politiker keinen Plan für danach haben", meint Michael Chalupka, Direktor der evangelischen Diakonie, im Standard-Gespräch. Genug Quartiere werde es aber nur geben, "wenn die Suche trotz Scheiterns des Bezirksquotenvorschlags regionalisiert wird, wie es jetzt im Alleingang etwa Kärnten plant ".

Mehr Geld in die Hand nehmen

Auch müsse der Bund "endlich mehr Geld für Flüchtlinge in die Hand nehmen", sagt Chalupka. In Deutschland habe die Regierung die Finanzhilfe an die Länder zur Bewältigung der Asylbewerberversorgung für 2015 auf eine Milliarde Euro verdoppelt. In Österreich könnten mit eine Zehntel – hundert Millionen Euro – viele neue Quartiere entstehen.

So zum Beispiel für minderjährige Flüchtlinge, von denen 1200 in Traiskirchen sind. Beim Gipfel, so ein Teilnehmer, sei die Lage dieser Kinder und Jugendlichen etwa von Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ins Spiel gebracht worden. Eine Lösung mittels Tagsatzerhöhung sei dann im Streit der Politiker untergegangen.

Screenshot von Ute Bocks Homepage: Die Politik sei offenbar nicht fähig oder willens, die Asylquartier-Frage zu lösen, kritisiert sie. (Irene Brickner, 26.6.2015)

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    Screenshot von Ute Bocks Homepage: Die Politik sei offenbar nicht fähig oder willens, die Asylquartier-Frage zu lösen, kritisiert sie.

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