Ärztearbeitszeit: Wiener Polit-Vorstellung

Kommentar25. Juni 2015, 17:37
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Kommt es nicht bald zu einer Einigung, gibt es nur Verlierer

In der Wiener Gesundheitspolitik gibt man seit geraumer Zeit Anschauungsunterricht in Sachen Krisenkommunikation – Schwerpunkt "Wie manövriere ich mich in die verhandlungstaktische Aussichtslosigkeit". Dabei hatte beim neuen Ärztearbeitszeitgesetz alles so gut begonnen – zumindest dafür, dass die Politik die Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie mehr als zehn Jahre lang verschlafen hat. Da saß Ende Jänner der Wiener Ärztechef einträchtig neben seiner (damals Noch-)Parteifreundin, Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ), und man verkündete nach durchwachter Nacht die Einigung – sowohl die Arbeitszeit als auch die Gehälter betreffend.

Eine Demo, zwei Versammlungen, gefühlte 100 medial ausgerichtete Vorwürfe und Gesprächsverweigerungen später steht Wien jetzt bundesweit als Schlusslicht da. Absurd genug, dass es neun verschiedene Regelungen, exklusive jener für Universitäts- und Ordensspitäler, braucht.

Absurd aber auch, wie man sich in der Hauptstadt an die Umsetzung des gemeinsam ausgetüftelten Plans machte. Da preschte die Stadt mit Stellenkürzungsideen vor, da erhoben die Ärzte immer neue Forderungen. Um dann inhaltlich doch wieder aufeinander zuzugehen. Wird diese Vorstellung nicht bald zu einem glimpflichen Ende gebracht, gibt es nur Verlierer. Auf Wehsely wartet im Oktober der Patient als Wähler. Der weiß aber auch ärztlichen Alarmismus nicht zu schätzen. (Karin Riss, 25.6.2015)

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