Umtriebige Hypo-Netzwerker im U-Ausschuss

25. Juni 2015, 18:12
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Exvorstände Kulterer und Striedinger in Untreue-Prozess freigesprochen

Wien – Unterbeschäftigung dürfte Günther Pöschl selten geplagt haben: Steuerberater der Hypo und der Kärntner Holding Beteiligungs AG (KHBAG), gleichzeitig in deren Aufsichtsrat, sowie Aufsichtsratschef des Kärntner Energieversorgers Kelag und "Teilzeit"-Geschäftsführer der Kärntner Energieholding. Nur ein kleiner Auszug der langen Liste seiner Tätigkeiten.

Bei seinem Auftritt am Mittwoch im Hypo-Untersuchungsausschuss war aber vor allem Pöschls Zeit als Aufsichtsrat der Bank (2002-2005) und als Aufsichtsratschef der Kärntner Landesholding (Juni 2004 bis Ende 2005) von Interesse.

Keine Antworten zu Schlosshotel Velden

Neos-Vertreter Rainer Hable thematisierte die Rolle des Steuerberaters beim Kauf des Schlosshotels Velden durch das Land Kärnten. Hable ortete eine Involvierung von Pöschl sowohl auf der Käufer- als auch auf der Verkäuferseite, sei er doch auch Steuerberater des damaligen Schlosshotel-Eigentümers Gunter Sachs gewesen. "Ich habe keine Entbindung von der Verschwiegenheit, was dieses Mandat betrifft", entschlug sich Pöschl dazu der Aussage. Auch zum Skandalkreditfall Skiper in Kroatien wollte sich Pöschl nicht äußern, weil er von der Hypo-Abbaugesellschaft Heta nicht vom Bankgeheimnis entbunden wurde.

Schwarzenbacher wollte raus

Einblicke in die personellen Netzwerke rund um die Hypo, aber wenig neue Erkenntnisse: Das galt auch für die Befragung der zweiten Auskunftsperson, Dietmar Schwarzenbacher.

Nach nur sechs Monaten als Pöschls Nachfolger als Aufsichtsratschef der Landesholding wollte Schwarzenbacher "wieder raus". Geworden sind es dann 14 Monate. Nach ein paar Monaten habe es keine Sachdiskussionen mehr gegeben, sondern Parteidiskussionen – und das bei ungleichen blau-roten Interessen. Schwarzenbacher fühlte sich – aus der Wirtschaft kommend – in einer Zwickmühle.

Fehlende Sachlichkeit

Blau und Rot hätten keine Sachlichkeit mehr vorgebracht. Sie hätten vergessen, dass es auch Sachlichkeit gibt, sagte Schwarzenbacher über Jörg Haider (FPÖ/BZÖ), Peter Ambrozy (SPÖ) und Co im Aufsichtsrat der Landesholding. Die Holding verwaltete die Anteile des Landes Kärnten an der früheren Hypo Alpe Adria. In einer folgenden Blau-Schwarzen-Koalition wurde dann auch mit Josef Martinz (ÖVP) ein Politiker Aufsichtsratschef der Landesholding

Schwarzenbacher sprach von einem "absolut positiven Bild" der damaligen Lage der Bank. Swapverluste in Höhe von 330 Mio. Euro bezeichnete er als willkürliche Darstellung der Finanzmarktaufsicht. Er habe davon erstmals aus den Medien erfahren und sich auf die Erklärung des damaligen Hypo-Vorstandschefs Wolfgang Kulterer verlassen, wonach es verschiedene Meinungen zur Bilanzierung der Geschäfte gebe.

Klagenfurter Freisprüche

Für Kulterer und seinen ehemaligen Vorstandskollegen Günther Striedinger, die ihre Befragung vor dem U-Ausschuss noch vor sich haben, gab es indes Freisprüche im Untreue-Prozess rund um eine umstrittene Kreditvergabe in Kroatien. Die Richterin am Landesgericht Klagenfurt sah keine bewusste Schädigung der Bank durch deren Exmanager. Laut Gutachten entstand der Hypo aus dem nicht zustande gekommenen Flugrettungsprojekt Heli kompanija, für das die Hypo Kreditgeber war, ein Schaden von 1,1 Mio. Euro. Kulterer und Striedinger wurde vorgeworfen, Mittel bewilligt zu haben, obwohl bekannt gewesen sei, dass die Heli kompanija den Auftrag nicht bekommen würde. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (smo, APA, 26.6.2015)

  • Dietmar Schwarzenbacher, Ex-Aufsichtsrat der Kärntner Landesholding .
    foto: apa/herbert neubauer

    Dietmar Schwarzenbacher, Ex-Aufsichtsrat der Kärntner Landesholding .

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