iOS 9 Beta ausprobiert: Liebe zum Detail statt großer Umbrüche

14. Juli 2015, 14:37
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Multitasking-Funktionen sorgen allerdings für grundlegende Änderungen bei iPad-Bedienung

Auf der Keynote der Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple Anfang Juni sein neuestes Betriebssystem für iPhone, iPad und iPod touch vorgestellt. Abgesehen von den neuen Multitasking-Funktionen für das iPad suchte man so richtig große neue Features bei der Präsentation von iOS 9 aber vergeblich.

Wirklich überraschend war das nicht. Immerhin war bereits zuvor durchgesickert, dass Apple mit iOS 9 vor allem an Verbesserungen unter der Haube werkeln möchte – Stabilität, Leistung und Sicherheit sind die drei Schlagworte. Der WebStandard hat die Developer-Preview von iOS 9 auf dem iPhone 6 und dem iPad Air 2 getestet.

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Multitasking und Bild-in-Bild-Modus – zwei bedeutsame Erweiterungen für das iPad.

Innovationsbremse

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis die jährlichen Softwarezyklen von Apple ihren Tribut fordern und das Unternehmen ein wenig auf die Innovationsbremse steigen muss. Mit iOS 9 dürfte das nun so weit sein. Wo man in den vergangenen Jahren noch mit tollen Funktionen und Erweiterungen auf Kundenfang ging, räumt man mit dem neuen System erst einmal auf. Optimierungen bei Akkuverbrauch, Speicherplatz und der Unterstützung älterer Hardware stehen damit mehr denn je im Vordergrund. Große neue Funktionen gibt es eher wenige, für Nutzer aus Österreich sogar noch weniger.

Apple News statt Zeitungskiosk

Seit fast vier Jahren nimmt er einen festen Platz auf dem iOS-Homescreen ein, mit iOS 9 gehört er aber der Vergangenheit an – endlich, werden sich so manche Nutzer denken. Die Rede ist vom unbeliebten Zeitungskiosk. Der Ordner bekommt seine Sonderrechte entzogen, Apps von Zeitungen und Magazinen können künftig wie gewöhnliche Programme am Homescreen und in beliebigen Ordnern platziert werden. Anstelle des Zeitungskiosks bietet Apple ab iOS 9 Apple News an und begibt sich damit ins Geschäft der News-Aggregatoren wie Flipboard oder das nur in den USA erhältliche Paper des sozialen Netzwerks Facebook.

Nur für USA, UK und Australien

Österreichische Nutzer werden von Apple News, das Nachrichten nicht nur über Software-Algorithmen, sondern auch über Redakteure aufbereitet und Smartphone-kompatibel darstellt, vorerst aber kaum Vorteile haben. Die neue App wird zum Start von iOS 9 nur in den USA, Großbritannien und Australien verfügbar sein. Zwar lässt sich Apple News über eine Änderung der eingestellten Region auch auf österreichischen Geräten aktivieren, deutschsprachige Nachrichten wird es vorerst aber keine geben. Apple nimmt für seinen neuen Nachrichtenservice zum jetzigen Zeitpunkt nur englische RSS-Feeds auf.

Öffentliche Verkehrsmittel in Apple Maps

Eine weitere größere neue Funktion in iOS 9 wird Nutzern in Österreich zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls kaum Vorteile bringen. Apple hat seine Karten-Applikation erweitert und bietet dort nun auch Informationen und Routing-Optionen für öffentliche Verkehrsmittel an. In einer neuen Kartenansicht wird dabei übersichtlich eine Art Netzplan mit U-Bahn- und Zugverbindungen angezeigt, Routenberechnungen berücksichtigen aber auch Straßenbahnen und Busse. Zur Veröffentlichung von iOS 9 im Herbst 2015 werden jedoch gerade einmal zehn Regionen weltweit unterstützt, Österreich ist nicht vertreten. Man darf hoffen, dass Apple das Angebot rasch ausbauen wird.

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In Apple Maps können nun auch Routen über öffentliche Verkehrsmittel berechnet werden – zum Start in Europa aber nur in London und Berlin.

Mehr Multitasking für das iPad

Nun aber genug Trübsal über die nicht in Österreich verfügbaren Funktionen geblasen. Was bietet iOS 9 für uns ab Herbst? Allem voran kommen dabei die neuen Multitasking-Funktionen des iPad in den Sinn. Diese führen wohl zu den bisher grundlegendsten Änderungen an der iPad-Bedienung überhaupt und machen iOS 9 zu einem sehr bedeutsamen Update für das Tablet – sogar bedeutsamer als für das iPhone. Insgesamt wird Apple mit seinem neuen Betriebssystem drei verschiedene Multitasking-Funktionen für das iPad einführen: Slide-Over, Split-View und Picture in Picture. Die volle Ladung an Funktionen bleibt jedoch dem leistungsfähigen iPad Air 2 vorbehalten.

Split-View ähnlich wie bei Windows 8

Split-View stellt dabei die größte und gleichzeitig auch leistungshungrigste Multitasking-Funktion dar. Wohl aus diesem Grund wird sie nur am aktuellen iPad Air 2 verfügbar sein, das mit Triple-Core-Prozessor und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher deutlich flotter als die übrigen Apple-Tablets ist. Mit Split-View können zwei Apps parallel dargestellt und bedient werden, ähnlich wie man es bereits von Windows 8 oder manchen Samsung-Tablets kennt. Performance-Einbrüche konnten wir dabei keine beobachten. Die Apps werden wahlweise in der Mitte des Bildschirms oder 2/3 zu 1/3 geteilt. Gestartet wird der Split-View über die Slide-Over-Funktion.

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Die neuen Multitasking-Funktionen am iPad.

Slide-Over für "ältere" iPads

Ältere bzw. leistungsschwächere iPad-Modelle, namentlich die im Jahr 2013 erschienenen iPad Air und iPad mini 2 sowie das im letzten Jahr erschienene iPad mini 3, erhalten nur den abgespeckten Multitasking-Modus Slide-Over. Über eine Wischgeste vom rechten Seitenrand wird eine Auflistung der zuletzt verwendeten Apps angezeigt, die sich nach einem Klick über die derzeit geöffnete App einschieben. Diese wandert stattdessen in den Hintergrund, wird abgedunkelt und in den Tiefschlaf geschickt – ähnlich als würde man sie mit einem Klick auf dem Homebutton schließen. Parallel ausgeführt werden die beiden Programme also nicht – der Kompromiss ist wohl vor allem dem geringeren Arbeitsspeicher der Geräte zuzuschreiben.

Vorerst nur für Apple-Apps

Derzeit stehen für Slide-Over und Split-View nur die Standard-Programme von Apple zur Auswahl. Drittanbieter-Apps müssen für die neuen Funktionen erst angepasst werden. Allzu viel Arbeit soll das für Entwickler aber nicht bedeuten, verspricht Apple. Die eingeschobenen und damit schmäleren Apple-Programme verwenden einfach die iPhone-Benutzeroberfläche. Optimierungen könnte sich Apple hingegen bei der Auswahl der Programme im Slide-Over-Menü einfallen lassen. Hier werden alle kompatiblen Apps in einer chronologisch nach dem letzten Zugriff sortierten Übersicht dargestellt – sucht man ein bestimmtes Programm, muss erst einmal gescrollt werden. Das muss sich auch besser lösen lassen.

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Die Auswahl der Programme für den Multitasking-Modus ist eine lange Liste.

Bild-in-Bild-Modus

Bei der dritten Multitasking-Funktion handelt es sich um den Bild-in-Bild-Modus, mit dem Videos in einem kleinen Fenster auch außerhalb von Apps abgespielt werden können. Das kleine Video-Fenster rastet an den vier Ecken des Bildschirms ein und kann mit einer Zwei-Finger-Geste auch in der Größe verändert werden. Werden Interface-Elemente wie Menüleisten oder die Tastatur durch das Fenster blockiert, weicht das Video automatisch aus. Performance-Probleme konnten wir auch hier keine feststellen, Split-View lässt sich sogar mit der Bild-in-Bild-Funktion kombinieren. Derzeit können nur Videos aus Safari und der Videos-App im Fenstermodus abgespielt werden, Apple bietet aber eine Programmierschnittstelle (API) für Drittanbieter-Apps an.

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Split-View und Bild-in-Bild-Modus lassen sich am iPad Air 2 sogar kombinieren – ohne Performance-Einbrüche.
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Flotte Cursor-Positionierung mit neuer Tastatur

Nutzer von iOS 9 können sich außerdem über eine erweiterte Tastatur freuen – anders, als es die Apple-Website vermuten lässt, übrigens nicht nur am iPad, sondern auch am iPhone. Über eine Zwei-Finger-Wischgeste auf der iOS-9-Tastatur kann der Cursor künftig sehr flott und zielsicher positioniert werden – eine sinnvolle Erweiterung. Die fummelige Bedienung der digitalen Lupe fällt damit weg.

Auch das Markieren von Texten läuft über die neue Geste deutlich einfacher und genauer ab. Am iPhone, das häufig ja nur mit einer Hand bedient wird, fühlt sich die neue Funktion aufgrund der Zwei-Finger-Geste jedoch ein wenig unnatürlich an. Womöglich will Apple damit umgehen, dass die Funktion unbeabsichtigt aktiviert wird – passiert ist das in unserem Test auf jeden Fall kein einziges Mal.

Erweiterte Tastatur-Funktionen für das iPad

iPad-Nutzer können sich bei der neuen Tastatur noch auf ein paar weitere Funktionen freuen. In der QuickType-Leiste direkt über der Tastatur gibt es neue Buttons, um Texte ausschneiden, kopieren, einfügen und formatieren zu können. Beim Anschluss einer externen Bluetooth-Tastatur werden nun außerdem weitere Shortcuts unterstützt,

App-Entwickler können in ihre Programme sogar selbst eigene Shortcuts hinzufügen. Über einen langen Klick auf die cmd-Taste werden die in der App unterstützten Shortcuts eingeblendet. Zusammen mit den Multitasking-Funktionen wird deutlich, dass Apple mit iOS 9 an der Produktivität seiner Tablets schraubt – womöglich in Vorbereitung auf das kolportierte iPad Pro, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.

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Bei angeschlossener Bluetooth-Tastatur können mit gedrückter cmd-Taste in der App verfügbare Shortcuts angezeigt werden.

iOS 9 soll intelligenter werden

Auf der WWDC-Keynote hat Apple viel Zeit damit verbracht, die intelligenten und proaktiven Funktionen von iOS 9 vorzustellen. Zumindest in der Developer-Preview konnten wir diese Neuerungen nur bedingt testen – sie scheinen derzeit noch nicht wirklich ausgereift zu sein. So werden in der Spotlight-Suche neben wichtigen Kontakten jetzt auch Apps angezeigt, die zum jeweiligen Zeitpunkt von Interesse sein könnten. Liest man etwa morgens immer die aktuellen Neuigkeiten, soll in Spotlight rechtzeitig eine Nachrichten-App erscheinen – zumindest in der Theorie. Bei unserem Test konnten wir hier jedoch noch nicht wirklich Zusammenhänge erkennen.

Spotlight lernt von OS X

Neu in der Spotlight-Suche ist außerdem, dass Rechenaufgaben, Währungsumrechnungen und Einheitenumrechnungen direkt über die integrierte Suchfunktion durchgeführt werden können. Eine ähnliche Funktion kennt man bereits aus OS X Yosemite. Auch dies funktioniert in der Beta noch nicht wirklich zuverlässig. Über die Spotlight-Suche können außerdem interessante Orte in der näheren Umgebung gesucht und aktuelle Nachrichten präsentiert werden. Insgesamt wirkt das neue Spotlight aber noch recht unausgereift, hier wird Apple in den kommenden Monaten wohl noch nachbessern.

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So sieht die neue Spotlight-Suche in iOS 9 aus.

Notizen-App schaut bei OneNote ab

Die letzte der größeren neuen Funktionen in iOS 9 stellt eine aktualisierte Notizen-App für iPhone, iPad und iPod touch dar. Bot Apple hier bisher nur sehr rudimentäre Funktionen, orientiert sich der Konzern bei der neuen App ein wenig an Konkurrenzangeboten wie OneNote oder Evernote. Mit Notizen können nun (vereinfacht) Bilder, Webseiten-URLs, Apple-Maps-Einträge und Checklisten eingefügt werden, zudem unterstützt die App Freihandnotizen und -skizzen mit mehreren Werkzeugen und in verschiedenen Farben.

iCloud statt IMAP

Insgesamt hinterlässt die neue Notizen-App, die im Funktionsumfang seit Jahren fast unverändert blieb, einen recht guten Eindruck. OneNote, Evernote und ähnliche Programme bieten hier aber trotzdem noch deutlich mehr. Ein paar Funktionen zur Bearbeitung der Fotos wären noch wünschenswert – Beschneiden, Drehen und Verschieben. Bisher kann man Bilder in der Notizen-App nur einfügen, und das war's dann auch wieder. Neu ist außerdem, dass die Notizen künftig nicht mehr über das E-Mail-Protokoll IMAP, sondern direkt über iCloud mit anderen Apple-Geräten synchronisiert werden.

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Mit der neuen Notizen-App können Checklisten, Weblinks und Handnotizen eingefügt werden. (Achtung: Fehlerteufel am Werk!)

Verbesserte Akkulaufzeit

Neben verschiedenen kleineren Design-Änderungen spielen sich die übrigen Neuerungen von iOS 9 weitgehend unter der Haube ab. So verspricht Apple auf dem iPhone eine um eine Stunde verlängerte Akkulaufzeit. Dies soll durch verschiedene Optimierungen erreicht werden. Erkennt das iPhone über die Bewegungs- und Lichtsensoren etwa, dass es mit dem Bildschirm nach unten auf einem Tisch liegt, bleibt das Display selbst bei eintreffenden Benachrichtigungen abgeschaltet. Von einer optimierten Akkulaufzeit kann man in der aktuellen Beta aber noch nichts feststellen. Ganz im Gegenteil, iPhone 6 und iPad Air 2 verbraten den Strom richtiggehend. Dies wird wohl dem frühen Entwicklungsstadium geschuldet sein.

Stromsparmodus für das iPhone

Für das iPhone gibt es in iOS 9 außerdem einen neuen Stromsparmodus, der bei Erreichung eines niedrigen Akkustandes aktiviert werden kann. iOS 9 soll dann noch bis zu drei Stunden mehr Laufzeit aus der Batterie quetschen. Dafür werden viele Animationen und Hintergrunddienste des iPhone deaktiviert oder auf das Notwendigste zurückgefahren. Eine abschließende Einschätzung der Auswirkungen des Stromsparmodus ist aufgrund der generell noch sehr schlechten Akku-Performance unter iOS 9 noch schwierig. Hier wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen, was wirklich möglich ist.

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Die Benachrichtigungszentrale am iPad nutzt den vorhandenen Platz nun deutlich besser aus.

Wiederbelebung von 8-GB-iPhones

Weitere Optimierungen unter iOS 9 betreffen den Speicherplatzbedarf. Dies macht sich bereits bei der Installation des Betriebssystems bemerkbar. Das Update auf iOS 8 erforderte zur Installation noch einen freien Speicher von annähernd 4,6 Gigabyte, vor allem für Geräte mit 16 oder gar nur 8 Gigabyte Speicherplatz fast ein Ding der Unmöglichkeit. iOS 9 soll für den Installationsvorgang hingegen nur einen freien Speicherplatz von 1,3 GB benötigen. Apple hat sich hier die Kritik der letzten Monate wohl zu Herzen genommen.

Schlankheitskur für iOS 9

Die Speicherplatz-Optimierungen hören jedoch nicht beim Betriebssystem selbst auf. Auch Programme sollen künftig schrumpfen, Apple nennt dies "App-Thinning". Auf Geräten sollen dadurch nur noch jene App-Daten landen, die tatsächlich auch benötigt werden. Bisher war es so, dass bei einer Universal-App alle App-Daten und der gesamte Programm-Code am Gerät abgespeichert wurde – unabhängig davon, ob die jeweilige CPU 32- oder 64-Bit unterstützt, ob es sich um ein Retina-Display oder um einen niedriger aufgelösten Bildschirm handelt oder ob die App auf einem iPad oder iPhone ausgeführt wird.

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Wechselt man in iOS 9 von einer App zu einer anderen, kommt man per Knopfdruck wieder zurück.

Apps schrumpfen um ein Drittel

Welche Auswirkungen das App-Thinning auf den Speicherplatzbedarf von Apps haben wird, kann jedoch noch nicht eingeschätzt werden. Apple spricht in Beispielen von einer Speicherplatz-Ersparnis von etwa einem Drittel im Vergleich zur bisherigen Installation einer Universal-App. Die eingesparten Megabyte werden jedoch je nach App stark schwanken. Zudem wird Apple auf die Mithilfe der Entwickler angewiesen sein, die ihre Programme für das App-Thinning optimieren müssen. Der Mehraufwand dafür soll sich aber in Grenzen halten.

Optimierungen für ältere Hardware

Weitere Optimierungen unter iOS 9 betreffen die Unterstützung älterer Hardware. Das neue Betriebssystem läuft sogar auf dem iPhone 4s und dem iPad 2 – Geräte, die bereits vor vier Jahren erschienen sind. Selbst für Apple stellt das einen neuen Rekord im Software-Support von Mobilgeräten dar. Wie gut iOS 9 auf der betagten Hardware letztendlich läuft, konnten wir leider noch nicht testen. Auch im Internet finden sich dazu noch kaum Berichte.

Überraschend stabile Beta

Auf unseren Testgeräten, einem iPhone 6 und einem iPad Air 2, legte bereits die Beta von iOS 9 eine recht gute Performance und Stabilität an den Tag. Das ist doch ein wenig überraschend – immerhin handelt es sich noch um eine frühe Developer-Preview. Apps oder das System stürzen sehr selten ab, das sah bei frühen Betaversionen in den vergangenen Jahren noch anders aus. Lediglich der noch sehr hohe Akkuverbrauch auf unseren Testgeräten ist störend. Alltagstauglich ist die Beta daher noch nicht.

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iCloud Drive bekommt unter iOS 9 eine eigene App und holt damit zu anderen Cloud-Diensten auf.

Fazit: iOS 9 wird zum iPad-Update

iOS 9 ist anders. Während Apple in den vergangenen Jahren mit Major-Updates seines mobilen Betriebssystems jeweils große neue Funktionen eingeführt hat, sucht man solche in iOS 9 fast vergeblich. Vor allem am iPhone bietet das neue System abgesehen von ein paar aktualisierten Apps kaum offensichtliche oder bedeutsame Vorteile. Am iPad sieht das schon anders aus. Die neuen Multitasking-Funktionen heben das Apple-Tablet auf eine ganz neue Ebene – iOS 9 wird damit zum großen iPad-Update, und Apple differenziert die Geräte weiter voneinander. Das iPad ist unter iOS 9 nicht mehr einfach nur ein iPhone oder iPod touch mit größerem Bildschirm.

Keine bahnbrechenden Funktionen

Die neuen Funktionen können aber kaum als bahnbrechend bezeichnet werden. Apple News, Notizen-App, Split-Screen-Multitasking und Bild-in-Bild-Modus sind zwar willkommene Ergänzungen im Apple-Ökosystem, hat man in dieser oder sehr ähnlicher Form aber bereits bei der Konkurrenz gesehen. Einige Verbesserungen von iOS 9 spielen sich dabei gar nicht einmal an der Oberfläche ab. Welche Auswirkungen diese Hintergrund-Optimierungen letztendlich haben werden, lässt sich anhand der Beta nur schwer beurteilen. Einerseits weil das System z.B. in Bezug auf die Akkulaufzeit noch weiter verbessert werden muss, andererseits weil Apple auch auf die Kooperation der Third-Party-Entwickler angewiesen ist.

Apple macht es Google gleich

Interessant ist der Schritt, gerade jetzt auf die Innovationsbremse zu steigen und den Funktionsumfang von iOS nicht weiter zu erhöhen, allemal. Immerhin ließ man erst im letzten Jahr mit OS X Yosemite und iOS 8 seine beiden Betriebssysteme näher zusammenwachsen, in diesem Jahr fehlt von diesem Thema jede Spur. Betrachtet man den größten Konkurrenten, ist der Schritt aber nachvollziehbar. Auch Android M bietet keine Flut an Innovationen, es entsteht fast der Eindruck, als hätten sich die beiden Konzerne abgesprochen.

Release

iOS 9 wird im Herbst als kostenloser Download erscheinen und ab iPhone 4s, iPad 2, iPad mini und iPod touch 5G angeboten. Ähnlich wie in den letzten Jahren könnte das neue System parallel zur Vorstellung der neuen iPhone-Generation im September erscheinen. Vor kurzem hat Apple eine öffentliche Betaversion von iOS 9 veröffentlicht, eine Anmeldung ist auf der Webseite von Apple möglich. (Martin Wendel, 14.7.2015)

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