Arbeit mit Tätern soll Gewalt gegen Frauen reduzieren

25. Juni 2015, 13:58
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Kooperation zwischen Frauenhäusern und Bewährungshilfe soll verbesserten situationsbezogenen Opferschutz bieten

Salzburg/Wien – Rund jede vierte Frau in Österreich hat bereits einmal Gewalt erlebt. Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren sind Anlaufstellen, an die sich die Opfer wenden können. Künftig wird vermehrt aufseiten der Täter angesetzt, um weitere Gewalttaten zu vermeiden.

Die sogenannte "opferschutzorientierte Täterarbeit" ist ein Puzzlestück des Nationalen Aktionsplans zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, den die österreichische Bundesregierung im Zuge der Istanbul-Konvention ausgearbeitet und beschlossen hat. Mit Ende Juni tritt die neue Kooperation zwischen der Bewährungshilfe vom Verein Neustart sowie den Frauenhäusern und Gewaltschutzzentren in Österreich in Kraft.

Bewährungshilfe und Anti-Gewalt-Training

Künftig soll Gewalttätern im Zuge eines Strafverfahrens Bewährungshilfe und die Weisung zum Anti-Gewalt-Training erteilt werden. Nach einem möglichst raschen Betreuungsbeginn der Täter nimmt der Verein Neustart eine Risikoeinschätzung vor, ob jemand tendenziell erneut gewalttätig wird. Diese wird mit der Einschätzung des Opfers in Beziehung gesetzt.

Neustart informiert künftig die Betreuer der Gewaltopfer über eine mögliche bevorstehende Gefährdung. Wenn etwa der Täter das Anti-Gewalt-Training abbricht, womit er auch eine mögliche Haft in Kauf nimmt, führt das zu erhöhten Sicherheitsmaßnahmen. Die Opferschutzeinrichtungen wiederum können Neustart über weitere Gewaltvorfälle informieren.

Mehr Zuweisungen gefordert

Die Kooperation der Einrichtungen eröffne neue Möglichkeiten, angefangen mit einer schnellen Reaktion durch einen Anruf bis hin zu Vierergesprächen mit den jeweiligen Betreuern, sagt Johannes Bernegger vom Verein Neustart Salzburg. Die Täterarbeit könne aber nur funktionieren, wenn die Justiz die Zuweisung erteilt.

Die Leiterin des Frauenhauses Salzburg, Birgit Thaler-Haag, erhofft sich durch die Neuerung mehr Zuweisungen an die Bewährungshilfe. Gleichzeitig sei die Kooperation zwischen Opfer- und Täterarbeit wichtig, um sich gegenseitig laufend zu informieren. "Bisher wussten wir oftmals nicht einmal, ob der Mann Bewährungshilfe hat oder beim Anti-Gewalt-Training ist", sagt Thaler-Haag.

Intervention soll Gewaltkreislauf unterbrechen

"Eine Gewaltbeziehung ist ein immerwährender Ausgleich von Eskalation", erläutert Renate Hojas vom Gewaltschutzzentrum Salzburg. Es komme zu einer Täter-Opfer-Umkehr, die Frau werde beschuldigt, verantwortlich für den Gewaltausbruch des Mannes zu sein. Dann gebe es wieder Phasen, in denen der Partner zuvorkommend und nett sei, die Frau zum Essen einlade, es Geschenke gebe und dergleichen mehr. Gefolgt von einer weiteren Phase der Eskalation. "Es bedarf einer Intervention von außen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen", sagt Hojas. Denn egal, wie sehr sich die Frau anpasse, sie werde immer wieder Gewalt erfahren, weil es um die Macht und Kontrolle des Mannes gehe. (Stefanie Ruep, 25.6.2014)

Nachlese

Häusliche Gewalt: Kritik an Entwurf für Streichung des Tatausgleichs

Es geht gewaltig zu

Gewaltschutzgesetzt: Geburtstag eines Meilensteins

Links

Verein Neustart

Frauenhaus Salzburg

Gewaltschutzzentrum Salzburg

Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser

Frauenhelpline – österreichweit, kostenlos und rund um die Uhr: 0800 / 222 555

Hotline für von Gewalt betroffene Kinder – österreichweit, anonym und kostenlos täglich von 8 bis 20 Uhr: 0800 / 240 268

  • Um Frauen vor Gewalt zu schützen, sollen künftig auch die Täter intensiver betreut werden (Symbolbild).
    foto: dpa/maurizio gambarini

    Um Frauen vor Gewalt zu schützen, sollen künftig auch die Täter intensiver betreut werden (Symbolbild).

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