Der fixe Arbeitsplatz stirbt aus

25. Juni 2015, 12:15
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Mobiles Arbeiten ist auf dem Vormarsch. Firmen wollen damit Kosten sparen und produktiver sein. Die IT ist machtvoll dabei, zeigt eine aktuelle Studie

Der fixe Arbeitsplatz stirbt langsam aus. Mehr als 40 Prozent der Unternehmens- und IT-Leiter in Österreich, Deutschland und der Schweiz (D.A.CH) gehen von einem stetigen Rückgang starrer Arbeitsplatzkonzepte aus und halten mobile und innovative Arbeitsplatzentwürfe für die Zukunft, erhebt die aktuelle Studie der deutschen IT-Beraters Crisp mit dem IT-Mobilitätsberater Citrix.

Motiv: Profit

Mehr als 160 Entscheider aus Unternehmen von 500 bis 10.000 Mitarbeitern wurden dafür detailliert befragt. Die Beweggründe für Unternehmen, sich aktiv um einen Wandel von starr zu mobil zu kümmern, sind vielfältig, das betriebswirtschaftliche Kalkül führt aber die Feder: Mitarbeiterproduktivität erhöhen, für mehr Kundennähe sorgen und Einsparungen auf der Immobilienseite lukrieren sind die hauptsächlichen Motive.Gesunde Mitarbeiter oder kreativere Mitarbeiter sind nicht ganz so wichtig. Den Wünschen, jüngerer Belegschaften zu entsprechen, und der Haltung "Der Job ist nicht mein Leben" nahezukommen, werden zwar auch ins Treffen geführt und summieren sich unter den Anstrengungen, attraktiver Arbeitgeber zu sein, also solcherart den ökonomischen Erfolg abzusichern.

Wobei: Auch wenn angekreuzt wird, durch mobilere Arbeitskonzepte die "Teamarbeit fördern" zu wollen, unterliegt dies letztlich ja auch wiederum dem Produktivitätsdogma.

Digitalisierung, Globalisierung

Mehrheitlich entstehen neue mobile Organisationsformen aus oder in Bezug auf konkrete unternehmensweite Projekte – Umbau einer Immobilie, Umzug, Reorganisation oder Expansion. Die großen Treiber heißen Digitalisierung, Automatisierung, Verfügbarkeit neuer Endgeräte, fortschreitende Cloud-Services, Globalisierung und demografischer Wandel.

Mächtige IT-Leute

Neue Arbeitsplätze sind also zuerst ein IT-Thema? Ja, wird durch die Studie bestätigt, was die Machtposition spiegelt: 62 Prozent gaben an, dass IT und Personalabteilung die Umsetzer im Unternehmen sind. Erstere werden auch als "Impulsgeber" genannt. Und natürlich wird die IT als "Enabler" gesehen. 74 Prozent geben auch an, dass die IT-Ausstattung die zentrale Rolle bei der Umsetzung neuer Arbeitsplatz- und Mobilitätskonzepte hat.

Die Digitalisierung hat die Rolle der IT offenbar mittlerweile gewaltig gewandelt. Das Selbstbewusstsein ist auch gestiegen: Der Studie zufolge "bringen die IT-Entscheider häufiger eigene Ideen ein".

Und worum geht es in der Ausgestaltung? Mitarbeiterfreundliches Umfeld bedeute nicht "Extravaganz und Luxus", halten die Studienautoren Carlo Velten, Maximilian Hille und Rebecca Hartmann fest. Sondern "um das Abdecken elementarer Bedürfnisse hinsichtlich Kommunikation und Arbeitsumgebung".

Start-ups als Vorbilder

Als Vorbild gilt demnach "Start-up-Style", also das Auflösen von Silos in der Firma, die maximale Durchmischung und Bewegungsfreiheit, Offenheit – alles "contra Cubicle" also. Und das nicht bloß architektonisch und in puncto Remote-Arbeiten, sondern auch bezüglich einer neuen Führungsstrategie, die einbeziehend, ermöglichend und möglichst auf Augenhöhe der Geführten ist.

"Es zeigt sich, dass Unternehmen ihre derzeitige konservative Aufstellung, die durch zentrale Organisation und strikte Hierarchien geprägt ist, hin zu einem stärker vernetzten und fluiden Modell umformen", konstatieren die Autoren. Glaubt man den Aussagen der Befragten, dann arbeiten 2020 schon 40 Prozent der Unternehmen in flachen und vernetzten Führungsstrukturen.Noch wursteln sehr viele Firmen aber mit der Einführung neuer Technologien und neuer Hardware herum und experimentieren da und dort, scheint es, während das Neue die alte Struktur nicht friktionslos ablöst. Weite Teile der Führung und der Belegschaft sind ja in anderen Zeiten groß geworden. Wunsch und Wirklichkeit stehen überwiegend noch weiter voneinander entfernt. "Die Unternehmen befinden sich noch in der Ausroll-Phase ganzheitlicher Mobility-Konzepte", lautet der Text in der Studie dazu. (25.6., Karin Bauer)

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