Wiener Ärzte: Zwischen "klarem Auftrag" und "Erpressung"

25. Juni 2015, 10:07
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Über 90 Prozent der Wiener Spitalsärzte sind streikbereit

Wien – Just für den ersten Juli, jenen Tag, an dem das neue Ärztearbeitszeitgesetz samt neuem Gehaltsschema in Wien in Kraft tritt, ruft die Wiener Ärztekammer zur Kuriensitzung unter dem Motto "Streikbeschluss". Schließlich habe man mit dem Votum der im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) beschäftigten Spitalsärzte einen "eindeutigen Auftrag" erhalten, ist sich der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sicher.

Der Auftrag in Zahlen: 58,13 Prozent der 3809 stimmberechtigten Ärzte nahmen an der Online-Abstimmung teil, ganze 93,45 Prozent von ihnen (2.069 Mediziner) signalisierten ihre Streikbereitschaft. Szekeres will trotz der bereits im Landtag beschlossenen stufenweisen Steigerung des Grundgehalts bis zu 30 Prozent und dem Abgehen der Stadt von anfänglich geäußerten Stellenkürzungsplänen an der Forderung nach mehr Geld für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste festhalten. Im Gespräch mit dem Standard bezweifelt er sowohl die vom KAV genannten "Maximalgehälter, die in der Realität kaum vorkommen", als auch das neue Motto "Personal umschichten statt reduzieren". Szekeres: "Das Motto funktioniert in der Praxis bislang nicht." Personalengpässe seien "auf fast allen Abteilungen spürbar – das lässt sich nicht schönreden."

Nachsatz Szekeres: Er hoffe trotzdem, dass es statt Streik zu einer Einigung komme, er sei jedenfalls "gesprächsbereit".

"Erpressung"

Nicht so Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Dem Standard sagt sie: "Solange die Verhandlungsführung der Ärztekammer ausschließlich auf Erpressung in Vorwahlzeiten ausgerichtet ist, sind weitere Gespräche nicht zielführend." Die Stadt habe sich in den Verhandlungen bereits "stark bewegt" und sei der Ärzteschaft "in finanziellen und strukturellen Fragen wesentlich entgegengekommen". Wehsely: "Der Abschluss ist im Vergleich zu den Abschlüssen im AKH und in den Wiener Ordensspitälern, aber auch im Vergleich zu anderen Bundesländern, sehr attraktiv." Neues Geld gäbe es nicht. (Karin Riss, 25.6.2015)

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