Nach Amokfahrt: Vernetzung von Polizei und Beratung

25. Juni 2015, 05:30
35 Postings

Täterarbeitsgruppen befürworten Kooperation mit Exekutive, Ermittler analysieren auch Internetaktivität des Verdächtigen

Graz – Nach der Amokfahrt eines 26-jährigen Mannes durch Graz, gibt es viele Überlegungen, wie man solche Tragödien in Zukunft verhindern könnte. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Mann den Behörden bereits als gewalttätig bekannt war und deshalb von seiner Frau und den gemeinsamen Kindern weggewiesen wurde.

Seitens der Stadt hieß es bereits am Sonntag, dass in Graz künftig die Zusammenarbeit der Polizei mit Einrichtungen wie der Männerberatung, die mit gewalttätigen Männern arbeitet, verstärkt wird. Christian Scambor von der Fachstelle für Gewaltarbeit bei der Männerberatung erklärt dem Standard, noch habe sich niemand bei ihnen gemeldet, man begrüße dieses Vorhaben aber sehr. Die Männerberatung bietet in Graz seit fast 20 Jahren Therapie, psychologische Tests und Beratung für Männer, die Gewalt ausüben, an.

Arbeit mit gewalttätigen Männern

Dabei brauche es eine "Verbesserung des Zugangs zu Täterprogrammen", so Scambor, oft könne man gewalttätige Männer aus datenschutzrechtlichen Gründen schwer erreichen. Die Polizei könne die Männer aber direkt nach Wegweisungen verstärkt motivieren, an Programmen teilzunehmen. Neben Kooperationen mit der Exekutive sei auch die Vernetzung mit Opferschutzeinrichtungen wichtig. In der Steiermark kooperieren Männerberatung und das Gewaltschutzzentrum miteinander: Männer mit gewalttätigem Verhalten werden in der Täterarbeitsgruppe betreut, deren (Ex)-Partnerinnen im Gewaltschutzzentrum. "Informationen können dadurch zusammenfließen, Risiken besser erkannt und die Betreuungen aufeinander abgestimmt werden", sagt Scambor.

Englisches Modell

Ein interessantes Modell aus England und später auch Wales wird seit 2010 in Wien praktiziert: Das Marac (Multi-Agency-Risk-Assessment-Conferences-Modell). Dabei handelt es sich um regelmäßige Konferenzen mit Polizei, Opferschutz- und Täterarbeitsgruppen, Bewährungshilfe, Jugend- und Sozialamt, Migranteneinrichtungen und Suchthilfe, wo einzelne Fälle besprochen werden, um Gefahren früh zu erkennen.

In Graz konzentrieren sich die Ermittlungen rund um die Amokfahrt nun auch auf die Internetaktivitäten des Verdächtigen. Auf einer ihm zugeordneten Facebook-Seite ist als Überschrift über ein Musikvideo "Hurensöhne Not In My Name" zu lesen. Er soll es rund eineinhalb Stunden vor der Amokfahrt erstellt haben. Staatsanwalt Christian Kroschl bestätigt dem Standard, dass auch etwaige Twitter-Accounts sowie Datenträger und Computer, die in der Wohnung des Beschuldigten sichergestellt worden seien, analysiert und rekonstruiert werden. Handys seien keine gefunden worden.

Trauermarsch mit Fischer und Faymann

Zu einem Trauermarsch für die Opfer der Amokfahrt werden am Sonntag rund 15.0000 Menschen erwartet – auch Bundespräsident Heinz Fischer und Kanzler Werner Faymann. (cms, mue, 25.6.2015)

Die Stadt Graz hat ein Spendenkonto für die Opfer der Amokfahrt eingerichtet. Spendengelder sollen für Folgetherapien, psychologische Betreuung, etc. verwendet werden.

Spendenkonto:

Steiermärkische Bank und Sparkassen AG – Stadt Graz

Hilfsfonds für die Opfer der Amokfahrt in Graz

IBAN: AT 46 2081 5000 4056 7521 BIC: STSPAT2GXXX


Von der Amokfahrt Betroffene haben die Möglichkeit, ihr Ansuchen um finanzielle Unterstützung mit kurzer Begründung persönlich oder schriftlich in der Magistratsdirektion einzureichen:

Stadt Graz, Magistratsdirektion

Hauptplatz 1

8011 Graz

Tel.: 0316 872-2200

E-Mail: magistratsdirektion@stadt.graz.at

  • Nicht nur aufgrund der vielen Markierungen in der Grazer Innenstadt werden die Ereignisse lange in Erinnerung bleiben.
    foto: apa/gubisch

    Nicht nur aufgrund der vielen Markierungen in der Grazer Innenstadt werden die Ereignisse lange in Erinnerung bleiben.

Share if you care.