Umweltschützer wollen mehr Einsicht in Schlackeverordnung

26. Juni 2015, 12:27
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Ministerium verweist auf verbesserte Situation

Wien – Immer weitere Kreise zieht die Recycling-Baustoffverordnung – und das, noch bevor sie erlassen ist, der STANDARD berichtete. Vor allem Umweltschützer sind aufgeschreckt und wollen Einsicht. Von einer potenziellen Krankheits-, insbesondere Krebsgefahr ist die Rede. Denn mit dieser Verordnung soll geregelt werden, wie sogenannte LD-Schlacke von der Voest im Straßenbau verwendet, also quasi recycliert, werden kann.

Im zuständigen Umweltministerium gibt man sich über die Welle der Ablehnung erstaunt. Mit der kommenden Verordnung würde alles besser werden, so der Tenor. Schon seit Jahrzehnten würde diese Schlacke für den Straßenbau verwendet – eigentlich, seitdem Stahl in Linz hergestellt wird. Allerdings, da bisher als Abfall definiert, ohne gesetzliche Grundlage.

Die Verordnung, die von Umweltminister Andrä Rupprechter bereits unterzeichnet sein soll und auf die Unterschrift von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (beide ÖVP) wartet, habe keine offizielle Begutachtung gehabt, kritisiert der Ehrenpräsident des Umweltdachverbandes, Gerhard Heilingbrunner. Das Umweltministerium bestreitet dies. Vorarbeiten und Begutachtung seien wie gewohnt erfolgt; Bedenken eingearbeitet worden.

Gefahr für Grundwasser

Heilingbrunner, der den Verordnungsentwurf nie zu Gesicht bekommen hat, befürchtet eine massive Erhöhung der Schwermetallbelastung und Gefahr für das Grundwasser. Der Ministeriums-konter: Die Inhaltsstoffe der LD-Schlacke müssen künftig regelmäßig überprüft werden – und diese Inhaltsstoffe seien im Wesentlichen immer gleich.

Seitdem die Schlacke wegen EU-Vorgaben vom Abfall zum Nebenprodukt aufgestiegen ist, muss ihre Verwendung gesetzlich definiert erfolgen. Dadurch, meint man zumindest im Umweltministerium, würde der Einsatz zurückgehen: Künftig sei nur mehr die gebundene Verwertung erlaubt; loser Einsatz nicht.

In der Sache prallen auch massive wirtschaftliche Interessen aufeinander, meinen Beobachter. Die Schlacke steige als etabliertes Nebenprodukt zur Konkurrenz mineralischer Rohstoffe wie Sand, Schotter oder Steine auf. Und das bei einem stagnierenden Bauvolumen.

Greenpeace konzediert in einigen Fragen Bewegung seitens des Gesetzgebers. So habe es den Verdacht gegeben, dass Chrom VI entweichen kann. In einer Untersuchung durch das Umweltbundesamt seien diese Bedenken widerlegt worden, sagt Greenpeace-Experte Herwig Schuster. Seither ist Greenpeace lieber, das Material wird im Straßenbau fest gebunden, als es liegt auf einer Deponie. (Johanna Ruzicka, 25.6.2015)

  • Die Schlacke, die bei der Erzeugung von Stahl – hier die Voest in Linz – anfällt, ist ein weitverbreiteter Rohstoff im Straßenbau.
    foto: apa/barbara gindl

    Die Schlacke, die bei der Erzeugung von Stahl – hier die Voest in Linz – anfällt, ist ein weitverbreiteter Rohstoff im Straßenbau.

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