Korallenriffe auf Fidschi: Raubzug der Seesterne

25. Juni 2015, 05:30
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Tausende Urlauber zieht Fidschi mit seiner Unterwasserwelt an. Nun droht ein Seestern, die Korallenriffe zu zerstören

Die Korallenwand ist etwa zwanzig Meter hoch. Bedeckt von farbigen Weich- und Hartkorallen. Eine Muräne äugt die Taucher neugierig an. Ein Papageienfisch knabbert an einer abgestorbenen Steinkoralle. Hinter den Tauchern, kaum zu sehen im tiefen, endlosen Blau, dort wo das Riff aufhört und die Tiefe beginnt, kreisen mit kraftvoller Eleganz vier Haie. Doch die Taucher sind viel zu beschäftigt, um die Raubfische zu sehen.

Lange müssen sie nicht suchen. Mit einem langen Eisenhaken angelt einer einen großen Seestern aus einem Spalt in der Wand. Sein Kumpel packt das Tier in einen Sack. Nach knapp 40 Minuten unter Wasser sind 21 Dornenkronenseesterne im Beutel. Ein zweites Team, nur etwa 20 Meter entfernt, hat 17 Tiere eingesammelt. Wieder an Land, ist Daniel Bolling gleichzeitig zufrieden und enttäuscht. "Eigentlich hätten wir lieber keine gefunden", sagt der amerikanische Meeresbiologe. Seit zwei Jahren ist er täglich auf der Jagd in den Gewässern vor der kleinen Insel mit dem Namen Barefoot (Barfuß). Eine Trauminsel wie aus der Urlaubsbroschüre, inklusive weißen Sandstrands und Palmen. Doch Bolling ist nicht zum Spaß hier. Er und seine Frau Heather Pacey, eine Meeresumweltexpertin, kämpfen gegen ein Monster: "Der Dornenkronenseestern ist für Korallen ein schädliches Raubtier."

Größer als eine Bratpfanne

Der Dornenkronenseestern (Acanthaster planci) wird manchmal größer als eine Bratpfanne und besitzt viele Arme und giftige Stacheln. Seine Essgewohnheiten sind alles andere als appetitlich. Der Stern stülpt sich über eine Steinkoralle und gießt seinen Mageninhalt darauf. Die Verdauungssäfte töten die Koralle, lösen sie auf. Diese Masse saugt der Stern dann auf. Bis zu einem Quadratmeter Korallen könne ein Tier pro Tag auf diese Weise fressen, sagt Bolling. Das sei im Normalfall nicht schlimm. Die Seesterne gehörten zum Ökosystem im Riff. Doch in den vergangenen Jahren hätten sie sich zu einer Plage entwickelt. Millionen überfallen die Riffe und fressen sie innert kürzester Zeit kahl. Was bleibt, ist Korallenschutt: weiß, grau, tot.

"Das ist besonders schlecht für Orte, die wegen des Tourismus auf Riffe angewiesen sind", sagt Bolling. Auf den Yasawa-Inseln, zu denen Barefoot gehört, ist Tourismus für bis zu 90 Prozent des Einkommens der lokalen Bewohner verantwortlich. Tourismus ist eine entscheidende Einkommensquelle für das ganze Land und mit 1,3 Milliarden Dollar pro Jahr ein wichtiger Devisenbringer. 17 Prozent des Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet Fidschi mit Tourismus. 40.000 Menschen sind in dieser Industrie beschäftigt. Mehr als 600.000 Besucher reisen jährlich ins Südseeparadies.

Zerschneiden ist auch keine Lösung

Fidschi ist nicht allein mit dem Seesternproblem. Das Barrier Reef in Australien, wo Bolling früher gearbeitet hatte, ist ebenfalls stark befallen. Dort versuchen Forscher, den Tieren mit einer Giftinjektion Herr zu werden. In Fidschi sei das keine Option, sagt Bolling. Die Tiere zu zerschneiden sei auch keine Lösung. "Dann hat man nämlich zwei."

Der Raubzug der Seesterne wird von Meeresexperten rund um den Globus erforscht. Doch zu einem festen Ergebnis sei man noch nicht gekommen. So glaubten die meisten Forscher, dass die Erwärmung der Meere als Folge des globalen Klimawandels eine zentrale Rolle spiele. Auch Überfischung sei ein Grund, weshalb sich die Tiere so stark vermehren. "Große Fische, die normalerweise diese Sterne fressen, gibt es immer weniger." Bolling meint, chinesische Fischkutter würden die Gewässer in den Fidschi-Inseln buchstäblich leerfischen. Die Behörden in der Hauptstadt Suva seien sich dessen bewusst, fühlten sich aber machtlos. "Es sind in Fidschi nur vier chinesische Fischkutter registriert. Ich bin aber überzeugt, dass über hundert in diesen Gewässern fischen."

Im Sand vergraben

So bleibt Bolling nicht viel mehr, als so viele der Seesterne wie nur möglich einsammeln zu lassen, Tag für Tag. An einem windigen Ort der Insel ist jeden Abend Endstation für diese vielbeinigen Vielfresser. Sie werden vermessen, katalogisiert und danach im Sand vergraben. Von jungen Touristinnen und Touristen aus aller Welt. Die können hier im Rahmen eines Freiwilligenprogramms als Sternjäger arbeiten. Und sie bezahlen erst noch für das Privileg. Das Geld fließt in die lokale Gemeinde, in Schulen, in die Krankenversorgung. "So sind die Seesterne wenigstens für etwas gut", sagt Bolling. "Denn nicht einmal essen kann man sie." (Urs Wälterlin aus Barefoot Island, 25.6.2015)

  • Um die Korallenriffe auf Fidschi zu retten, sammeln Meeresforscher und Touristen die Seesterne ein und vergraben sie im Sand. Die Stachelhäuter haben sich zu einer Plage entwickelt.
    foto: urs wälterlin

    Um die Korallenriffe auf Fidschi zu retten, sammeln Meeresforscher und Touristen die Seesterne ein und vergraben sie im Sand. Die Stachelhäuter haben sich zu einer Plage entwickelt.

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