Freispruch für 50-Jährigen, der 13-Jährige im Pinzgau vergewaltigt haben soll

24. Juni 2015, 16:13
67 Postings

Angeklagter bestritt Tat auf Parkplatz – Wegen gefälschten Führerscheins verurteilt

St. Johann im Pongau – Am Landesgericht Salzburg ist am Donnerstag ein 50-jähriger Mann vom Vorwurf, ein 13 Jahre altes Mädchen vergewaltigt zu haben, freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Beschuldigten vorgeworfen, das Mädchen auf der Rückbank seines Autos missbraucht zu haben. Dieser beteuerte stets seine Unschuld und bekam nun Recht. Er wurde aber wegen eines gefälschten Führerscheines verurteilt.

Der Bulgare war der ehemalige Lebensgefährte der Großmutter der 13-Jährigen. Er verdiente zuletzt als Schwarzarbeiter auf Baustellen sein Geld und hatte bei der im Gasteinertal wohnenden Familie Unterschlupf gefunden. Das Mädchen und ihr Bruder durften den Mann sogar "Opa" nennen.

Dieser soll den guten Kontakt zur Familie und das Naheverhältnis brutal ausgenützt haben: Laut Staatsanwältin Barbara Fischer überredete er die 13-Jährige, mit ihm Einkaufen zu gehen. Auf einer Autofahrt habe er seinen Wagen in Lend neben der Landesstraße geparkt, anschließend das Mädchen vom Beifahrersitz gezerrt, es mit Gewalt auf die umgeklappten Rücksitze gedrückt und sie zum Beischlaf genötigt, erklärte Fischer. "Er hielt ihr den Mund zu und drohte ihr, die Zunge herauszureißen."

Einige Tage später, am 14. September, vertraute sich das Mädchen ihrer Mutter an, die dann Anzeige erstattete. Der Verdächtige wurde verhaftet. Der Angeklagte bezeichnete die Anzeige als Racheakt des Stiefvaters des Mädchen, denn dieser schulde ihm Geld und wolle ihn deshalb loswerden.

Widersprüche und Aufklärungsbeitrag

"Er ist zur falschen Zeit möglicherweise am falschen Ort gewesen", sagte Verteidiger Helmut Schott am ersten Verhandlungstag Mitte Februar. "Bemerkenswert ist, dass das Mädchen nicht den Zeitpunkt angeben konnte, wann das passiert ist. Sie schilderte, dass sie nachher noch Kebap essen gegangen ist und ferngesehen hat. Dieses Verhalten ist völlig atypisch für so eine schreckliche Tat. Die Anzeige ist auch erst 14 Tage später erfolgt." Außerdem hätte sich der Beschuldigte in den drei Wochen bis zu seiner Verhaftung auch ins Ausland absetzen können.

Das Gericht sprach den Bulgaren heute von den Vorwürfen – Vergewaltigung, schwerer sexueller Missbrauchs von Unmündigen und gefährliche Drohung – im Zweifel frei. So hatte der Beschuldigte selbst zur Aufklärung beigetragen, etwa indem er selbst eine DNA-Untersuchung der Rückbank beantragt habe, sagte der Verteidiger nach dem Prozess. Zudem sei die Glaubwürdigkeit des Mädchens wegen mehrerer Widersprüche in den Aussagen angezweifelt worden. Wegen eines gefälschten Führerscheines, den der Mann bei einer Polizeikontrolle vorwies, wurde er allerdings zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwaltschaft keine Erklärung abgab. Der Bulgare wurde nach der Verhandlung aus der Untersuchungshaft entlassen. (APA, 24.6.2015)

Share if you care.