Leben am Limit macht krank – vor allem Kinder

24. Juni 2015, 14:35
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Armut hat gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern: Sie leiden öfter unter Asthma, Kopfschmerzen und Schlafstörungen

Wien – Kinder aus armen Familien haben deutlich mehr gesundheitliche Probleme als Kinder aus gutsituierten Familien. Dies zeigt der jüngst von der Statistik Austria veröffentlichte Armutsmonitor. Die Kinderliga nimmt die neuen Zahlen zum Anlass, einmal mehr für gesundheitliche Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche zu appellieren.

Gesundheitszustand dreimal schlechter

"Niedriges Einkommen erschwert nicht nur das Überwinden sozialökonomischer Nachteile sondern bedeutet auch ganz konkret eine nachhaltige Gefährdung der Gesundheit. So weist die Bevölkerung unter der Armutsgrenze einen dreimal schlechteren Gesundheitszustand auf als jene mit einem hohen Einkommen und ist doppelt so oft krank wie jene mit mittlerem Einkommen", so der Präsident der Kinderliga, Klaus Vavrik.

Kopfschmerzen, Nervosität, Schlafstörungen

Bei Kindern, die in Armutsverhältnissen leben, treten überproportional häufig asthmatische Erscheinungen, Kopfschmerzen, Nervosität, Schlafstörungen und Einsamkeit auf. Wo Sicherheit fehlt, wird die kritische Phase des Einschlafens doppelt schwierig. Und der stressige Alltag unter finanziellem Dauerdruck erreicht auch die Kinder und zwingt sie, sich den Kopf zu "zerbrechen".

Kinder aus armen Familien haben zudem eine deutlich erhöhte Unfallgefahr – sie verunfallen bis zu 70 Prozent häufiger. Zudem gibt es einen starken Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand und dem Auftreten chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Arthrosen und Rheuma bzw. von akuten Ereignissen wie Herzinfarkt.

"Leben am Limit macht Stress"

Die Gründe für das hohe Erkrankungsrisiko ärmerer Menschen sind vielschichtig. "Leben am Limit macht Stress. Leben am Limit schwächt die Abwehrkräfte und das Immunsystem. Finanzielle Not, Arbeitslosigkeit oder schlechte Wohnverhältnisse machen krank", so Sozialexperte Martin Schenk von der Armutskonferenz und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Kinderliga.

Selbst wenn Kinder sozialversichert sind, können sich Familien, die unter der Armutsgrenze leben, die Selbstbehalte bei Heilbehelfen oder Therapien meist nicht leisten und ihren Kindern oftmals dringend notwendige Rehabilitations-Maßnahmen nicht ermöglichen, bemängelt die Kinderliga. Abschließend appellierten sie an die Verantwortlichen, dass gesundheitliche Chancengerechtigkeit nicht nur ein Schlagwort bleiben dürfe. (red, 24.6.2015)

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