Ausstellung: Kunst des Vergessens

24. Juni 2015, 11:14
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Die Villacher Galerie Freihausgasse thematisiert Kontinuitäten der Kärntner Malerei vor und nach 1945

Wenn man nicht wüsste, dass Österreich 1945 befreit worden ist, an der Kärntner Ausstellungsgeschichte ließe sich die Zäsur zwischen NS-Diktatur und demokratischer Zweiter Republik nicht ablesen. Erstmals setzt sich im südlichsten Bundesland jetzt eine Kunstinstitution mit den erschreckenden Kontinuitäten der Kärntner Malerei vor und nach 1945 auseinander: Die städtische Villacher Galerie Freihausgasse thematisiert von 25. Juni bis 22. August die "KuNSt des Vergessens" – im ersten Titelwort die Buchstaben "NS" bewusst großgeschrieben.

Symbolischerweise findet die historische Auseinandersetzung mit Augustinus Ambrosi, dem Büsten-Verfertiger sowohl Adolf Hitlers als auch Adolf Schärfs, mit Josef Dobner, Karl Bauer, Switbert Lobisser oder Karl Truppe im Kellergeschoss statt. Nicht anhand von Kunstwerken, sondern von akribisch durch die Kuratoren Uli Vonbank-Schedler und Werner Koroschitz zusammengetragenen Informationen.

Im Mittelteil der Ausstellung lässt sich die Anfeindung von "Modernisten" wie Giselbert Hoke durch "Traditionalisten" wie Augustinus Ambrosi, aber auch durch "Kunstbetrachter" wie Walter Frodl oder Bruno Grimschitz akustisch nacherleben. Zehn Vertreterinnen und Vertreter der zeitgenössischen Kunst, darunter etwa Peter Putz, Inge Vavra, Cornelius Onitsch, Tatiana Lecomte und Armin Guerino, haben in ihren ebenerdig gezeigten Werken schließlich auf das verdrängte Kapitel ästhetisch reagiert. (Michael Cerha, 24.6.2015)

Ausstellung "KuNSt des Vergessens", Galerie Freihausgasse, Villach, Freihausgasse, Eröffnung, 25. Juni, 19.00 Uhr bis 22. August

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