Al-Jazeera-Journalist Mansour wieder in Katar

24. Juni 2015, 10:50
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Redakteur erneuert Kritik an deutscher Bundesregierung und Kairo

Doha/Berlin/Kairo – Nach seiner vorübergehenden Inhaftierung in Deutschland ist der prominente ägyptische Journalist Ahmed Mansour nach Katar zurückgekehrt. Mansour landete am Dienstagabend auf dem Flughafen der katarischen Hauptstadt Doha und wurde dort von der Führung seines Senders Al-Jazeera sowie von seiner Familie begrüßt.

Mansour erneuerte seine Vorwürfe gegen die deutsche Bundesregierung: "Es gibt Lobbys, die (den ägyptischen Machthaber Abdel Fattah) al-Sisi in der Welt fördern", sagte der 52-jährige Journalist auf Arabisch. "Sie üben Druck auf die deutsche Regierung aus, weil die ägyptische Regierung Müll ist und wertlos", fügte Mansour hinzu. Seine Festnahme in Berlin bezeichnete er als "politisch".

"Politisch motivierter Haftbefehl"

Mansour war am Samstag in Berlin festgenommen und am Montag auf Anweisung der Berliner Generalstaatsanwaltschaft wieder freigelassen worden. Auch das Auswärtige Amt hatte nach eigenen Angaben eine Freilassung empfohlen. Die ägyptischen Behörden hatten gegen Mansour einen Haftbefehl erwirkt, den Interpol zunächst weitergegeben hatte. Später teilte Interpol allerdings den nationalen Behörden auch in Deutschland mit, es betrachte den ägyptischen Haftbefehl als politisch motiviert.

Mansours Anwalt Andreas Wattenberg bezeichnete es daher als unverständlich, warum sein Mandant in Deutschland trotzdem zur Fahndung ausgeschrieben worden sei. Belege für seinen Vorwurf, es habe eine politische Einflussnahme aus Kairo auf die deutsche Bundesregierung gegeben, lieferte Mansour allerdings nicht. Mansour war in Ägypten vergangenes Jahr in Abwesenheit wegen Folter und anderer Vorwürfe zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Deutschland verspricht Sensibilität

Die politische Brisanz des ägyptischen Vorgehens gegen den bekannten Journalisten blieb in Berlin zunächst offenbar unbemerkt: "Aus den ersten von Ägypten übermittelten Ersuchen ging weder eine Tätigkeit von Ahmed Mansour als bekannter Journalist noch ein offensichtlicher politischer Hintergrund hervor, der für die bearbeitende Ebene erkennbar gewesen wäre", hieß es in Regierungskreisen. Es seien bereits Konsequenzen gezogen worden: "Die Bundesregierung hat sofort organisatorische Maßnahmen ergriffen, um in Zukunft solche Fälle früher zu identifizieren." (APA, 24.6.2015)

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