Tausende Armenier protestieren erneut gegen Strompreise

23. Juni 2015, 20:33
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Nach gewaltsamer Auflösung einer Demonstration durch die Polizei

Eriwan – Nach der gewaltsamen Auflösung einer Demonstration durch die Polizei sind in der armenischen Hauptstadt Eriwan erneut Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Wie ein AFP-Korrespondent berichtete, versammelten sich am Dienstagabend fast 6000 Demonstranten auf dem zentralen Freiheitsplatz, um gegen die Regierung von Staatschef Serzh Sarksyan und die gestiegenen Strompreise zu protestieren.

Sie schwenkten armenische Fahnen und riefen "Schande" und "Nein zum Raub". Anschließend zogen die Demonstranten erneut zum Präsidentenpalast, der von Sicherheitskräften abgeriegelt wurde.

Sitzblockade

In der Nacht zum Dienstag hatte die Polizei eine ähnliche Protestaktion gewaltsam aufgelöst. Nach dem Ende eines Protestmarsches, an dem sich rund 4000 Menschen beteiligten, hatten sich mehrere hundert Demonstranten zu einer Sitzblockade zusammengeschlossen und den Verkehr blockiert. Daraufhin schritten die Einsatzkräfte ein.

Die Demonstranten wurden mit Wasserwerfern und Schlagstöcken auseinandergetrieben. Es gab fast 240 Festnahmen, nach Behördenangaben wurden mindestens 25 Menschen verletzt. Zivilpolizisten schlugen auch auf Journalisten ein und zerstörten oder beschlagnahmten ihre Ausrüstung.

Die US-Botschaft in Eriwan äußerte sich besorgt über den Polizeieinsatz und forderte eine "vollständige und transparente Untersuchung". Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) forderte die armenischen Behörden auf, für "Zurückhaltung" der Sicherheitskräfte gegenüber Medienvertretern zu sorgen.

Die Demonstration werfen der Regierung vor, nicht genug gegen die Armut in Armenien zu tun. Sie klagen vor allem über die hohen Strompreise, die in den vergangenen Monaten um mehr als 16 Prozent gestiegen sind. Die ehemalige Sowjetrepublik ist wirtschaftlich isoliert. Zudem leidet Armenien unter der Wirtschaftskrise in Russland, dem wichtigsten Handelspartner des Landes. (APA, 23.6.2015)

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