Die brillanten Ideen des Handball-Weltverbandes

23. Juni 2015, 20:15
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Nach den Herren bekommen auch die deutschen Frauen eine Wildcard für die nächste Handball-WM

Wenn man einen Diamanten ganz viel und ganz besonders schleift, wird aus dem Edelstein irgendwann ein Brillant. Das ist dann ziemlich schön. Schleifen will auch der Präsident des Welthandballverbandes Hassan Moustafa den seiner Ansicht nach "schönsten Sport der Welt": "Am Handballsport muss weiter poliert werden, damit irgendwann ein Brillant daraus wird," so Moustafa auf der Homepage des Weltverbandes (IHF). Derzeit sieht das eher nach einem Pflasterstein aus. Kürzlich wurde bekannt, dass das deutsche Frauennationalteam trotz der sportlich verpassten Qualifikation doch noch an der Weltmeisterschaft im Dezember in Dänemark teilnehmen darf.

Ein Déjà-vu der besonders schwererklärlichen Art, waren doch schon die deutschen Männer bei der letzten WM in Katar nur durch einen Gnadenplatz in die Startliste gerutscht. Wildcard nannte man das beim Weltverband dann liebevoll und strich kurzerhand den sportlich gerechtfertigten Startplatz für Australien. "Australien bringe zu wenig Fortschritt für den Handball," hieß es in der Rechtfertigung zu der Entscheidung.

Wurscht

Der Aufschrei war schon damals deutlich hörbar, dem Weltverband war das ziemlich wurscht. So wurscht, dass den deutschen Handballerinnen jetzt am Montagnachmittag mitgeteilt wurde, eine der beiden Freikarten für die WM-Endrunde (5. bis 20. Dezember 2015) wäre doch abzuholen, die zweite erhält Serbien. Auch der Weg ist kein besonders weiter, die Sitzung des IHF fand im bayrischen Herzogenaurach statt.

Auf sportlichem Weg hatten die deutschen Handballerinnen das Turnier in Dänemark durch zwei Niederlagen (20:22, 26:27) in den Play-off-Spielen im Juni gegen Russland verpasst. Die Serbinnen waren in der Qualifikation an Rumänien gescheitert, dürften aber durch den zweiten Platz bei der WM 2013 ihr Profil im Welthandball derartig geschärft haben, dass auch ihnen eine Wildcard zugesprochen wurde.

Die Wildcard-Regelung bei den Frauen hatte der IHF-Rat von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt im November beschlossen. Leidtragender des Beschlusses ist der Panamerikanische Verband (PATHF), dem durch den WM-Titel Brasiliens bei der WM 2013 ursprünglich sechs WM-Plätze zugestanden hätten, der aber nur vier Startplätze erhält. Die Entscheidung war mit der mangelnden sportlichen Qualität des panamerikanischen Kontinents begründet worden.

Der sportliche Glanz

Deutschland hat jedenfalls durch die umstrittene Wildcard plötzlich auch wieder die Chance auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen im nächsten Sommer in Rio. "Diese Wildcard ist für uns nicht nur eine Chance, sondern auch ein klarer Auftrag. Zwei Jahre vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land müssen wir uns endgültig neu ausrichten", sagte Leistungssport DHB-Vizepräsident Bob Hanning gegenüber dem SID.

Spekulationen um eine bereits abgesprochene WM-Teilnahme des deutschen Teams hatten DHB-Funktionäre im Vorfeld der K.o.-Spiele gegen Russland zurückgewiesen. "Wenn wir uns sportlich nicht qualifizieren sollten, haben wir in keinster Weise irgendeinen Anspruch auf die WM-Teilnahme", sagte DHB-Generalsekretär und Interimspräsident Mark Schober. Für Fans und kleinere Verbände stellt sich dabei natürlich die Frage der Willkür und die der Relevanz von sportlichen Qualifikationen. Für manche ist der Handball eben schon ein bisschen brillanter. (hag/sid, 23.6.2015)

  • Man muss nicht immer gewinnen, um zu gewinnen.
    foto: apa/epa/hendriküschmidt

    Man muss nicht immer gewinnen, um zu gewinnen.

  • Hassan Mustafa (re.) war auch in Katar glücklich.
    foto: apa/bothma

    Hassan Mustafa (re.) war auch in Katar glücklich.

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