Schlacke für den Straßenbau per Dekret

23. Juni 2015, 18:32
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Umweltschützer warnen vor der Umsetzung der Recycling-Baustoffverordnung wie im Entwurf des Umweltministeriums geplant

Wien – Das Umweltministerium wird voraussichtlich noch diese Woche eine Recycling-Baustoffverordnung erlassen, die auch die Verwendung von Schlacke aus der Stahlerzeugung im Straßenbau ermöglicht. In erster Linie geht es dabei um die sogenannte LD-Schlacke der Voest, die in ihren Werken in Linz und Donawitz anfällt, das sind rund 650.000 Tonnen pro Jahr. Dazu kommen noch rund 400.000 Tonnen Hochofenstückschlacke (400.000 Tonnen) und Schlacke aus der Marienhütte Graz (rund 70.000 Tonnen).

Bis jetzt sind in Österreichs Straßen rund zehn Millionen Tonnen Schlacke gelandet; eingebaut wurde das Material in Straßen der oberösterreichischen Landes- und Gemeindestraßenverwaltungen und der Asfinag. Die Deponierung von Schlacke ist teuer, sie kostet rund 40 bis 50 Euro je Tonne. Straßenbauer wiederum kommt der Einbau des Abfallprodukts billiger als jener von "Naturmaterial", also Gestein.

Klage gegen Umweltschützer

Die in den Straßen gelandete Schlacke hatte zuletzt für grobe Aufregung gesorgt; der Umweltdachverband hatte der Voest strafrechtlich relevante Vorwürfe rund um deren Behandlung gemacht und zudem vorgeworfen, dass die Schlacke gesundheitsgefährdend sein könnte.

Die Voest hat daraufhin Anfang 2014 eine Klage gegen die Umweltschützer eingebracht; einige Monate später wurde sie zurückgezogen, ebenso die Vorwürfe der möglichen Gesundheitsgefährdung. Ein Voest-Sprecher hatte das laut "Kurier" damals so kommentiert: "Das ist ein wichtiger Schritt zur Versachlichung der Diskussion und zur Finalisierung der ausständigen Recycling-Baustoffverordnung."

Veränderter Entwurf

Der aktuelle Entwurf sieht zum ersten Entwurf von 2012 aber gravierende Änderungen vor. Damals hieß es in Paragraf 11 Ziffer 9, dass "Schlacken oder aufbereitete Schlacken (z. B. Stahlwerkschlacken) für die Herstellung von Recycling-Baustoffen nicht zulässig sind". Gemäß aktuellem Entwurf (Paragraf 13) darf Schlacke aus der Produktion in Bundes- und Landesstraßen verbaut werden, Altasphalt aus Schlacke in Gemeindestraßen und ungebunden in Bundes- und Landesstraßen.

Auch die im Entwurf genannten Grenzwerte irritieren Umweltschützer. In Schlacken dürfte der Chromgehalt demnach um rund das 28-Fache höher sein als in Naturmaterial (Gestein); giftiges Vanadium dürfte doppelt so hoch konzentriert sein. Laut dem Ehrenpräsidenten des Umweltdachverbandes, Gerhard Heilingbrunner (auch er war von der Voest geklagt worden), würde die Verordnung eine massive Erhöhung der Schwermetallbelastung bringen, und daher einen "absoluten Paradigmenwechsel in der Umweltpolitik der Zweiten Republik". Die Folgen wären nicht abschätzbar, Österreich würde sich damit zudem vom internationalen Trend absetzen.

Im Umweltministerium kann man zum Vorhaben nichts sagen, "wir müssen warten, bis es die Verordnung gibt". Es werde aber "demnächst so weit sein". (gra, 23.6.2015)

  • Bei der Voest fallen jährlich mehr als eine Million Tonnen Schlacke an. Sie zu deponieren ist teurer als sie zu verbauen.
    foto: dpa/berg

    Bei der Voest fallen jährlich mehr als eine Million Tonnen Schlacke an. Sie zu deponieren ist teurer als sie zu verbauen.

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