Taylor Swift: Ein Teenie-Star schwimmt gegen den Strom

23. Juni 2015, 18:21
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Die us-amerikanische Sängerin setzte sich gegen Apple durch

Normalerweise sind es ja die Dinosaurier, die sich gegen Veränderungen in ihrem Lebensraum wehren. Die Beatles oder AC/DC – und lange Zeit auch die Rolling Stones oder Led Zeppelin – verweigerten jahrelang nicht nur die Verfügbarkeit ihrer Musik als legale Downloads. Immerhin findet man allein mit regelmäßigen Wiederveröffentlichungen in edlen CD- und Vinyl-Boxen sein prächtiges Auskommen.

Auch Streamingdienste wie das schwedische Unternehmen Spotify werden zumindest von den beiden Erstgenannten nach wie vor gemieden. Die dortigen Gewinnausschüttungen sind derart bescheiden, dass man schon ein Multimillionär im Geschäft sein muss, um sich das leisten zu wollen. Ein sogenanntes bescheidenes Grundeinkommen lässt sich mit Streaming nur erzielen, wenn pro Monat mehrere Millionen Mal ein Song eines Künstlers angeklickt wird.

US-Teeniestar Taylor Swift sieht das nun ähnlich. Nachdem die 25-jährige Tochter einer Marketingspezialistin und eines Vermögensberaters aus Pennsylvania zuvor schon Spotify mit einem Verbot belegt hatte, Songs ihres aktuellen Erfolgsalbums 1989 zu streamen, werden nun auch dem Konzern Apple harte Bandagen angelegt.

Apple wollte (bei 190 Milliarden US-Dollar Rücklagen) zum Start eines eigenen, ab 30. Juni aktiven Streamingdienstes für seine Kunden die ersten drei Monate gratis anbieten – und somit Musiker ein ganzes Vierteljahr um Einkünfte daraus bringen. Etwas mehr als 70 Prozent der Erlöse aus einem Stream werden an die Plattenfirma des jeweiligen Künstlers ausgeschüttet. Der bekommt davon je nach Vertrag zwischen fünf und 20 Prozent. Möglicherweise geht sich davon ein halbes Stangerl Soletti aus.

Taylor Swift protestierte in einem offenen Brief auch angesichts weniger erfolgreicher KollegInnen dagegen und verweigert die Nutzung ihrer Lieder. Apple erkannte die Macht eines (selten gewordenen) Superstars im Teenie-Markt und ruderte prompt zurück. Nun sollen doch schon vom Start weg Tantiemen ausgeschüttet werden. Wirklich beruhigend ist das nicht. Ein Geschäftsmodell, von dem sich Künstler ohnehin nicht mehr ernähren können, hat keine Zukunft. Taylor Swift schweigt derzeit angesichts der Entscheidung Apples. Sie machte früher übrigens countrylastige Popmusik. Jetzt steht poplastiger Pop auf dem Programm. Ihr Vater weiß bestimmt, was sie tut. (Christian Schachinger, 24.6.2015)

  • Taylor Swift (25) setzt sich gegen Apple durch.
    foto: ap

    Taylor Swift (25) setzt sich gegen Apple durch.

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