Strache, "der Vogel", bezeichnet Häupl als "Wurm"

23. Juni 2015, 18:01
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Auseinandersetzung zwischen Rot und Blau in Wien spitzt sich zu – Strache hält bei Wien-Wahl im Oktober ersten Platz für möglich

Wien – Die verbalen Attacken werden intensiver und aggressiver, die Botschaften werden populistischer, die Giftpfeile fliegen tiefer. Früher als erwartet ist in Wien wieder die "Zeit fokussierter Unintelligenz" angebrochen, wie Bürgermeister Michael Häupl schon vor zehn Jahren den Zeitraum eines Wahlkampfes bezeichnete.

Am Montagabend hatte Häupl seine vor sich versammelten Funktionäre zur Mobilisierung roter Wählerstimmen auf einen Gegner eingeschworen: "Wer am 11. Oktober nicht zur Wahl geht, überlässt das Feld Strache – und hat den Vogel am 12. im Rathaus sitzen." Die Replik des FPÖ-Chefs, der auch Obmann der Wiener Landespartei ist, folgte am Dienstag. "Der frühe Vogel fängt den Wurm. Und momentan sitzt der Wurm noch im Rathaus."

Strache hält Kopf-an-Kopf-Rennen für möglich

Die Schärfung des Profils gegenüber der FPÖ ist für Häupl nach Verkündung der rot-blauen Koalition im Burgenland und dem Wahldesaster in der Steiermark notwendig geworden. Dreieinhalb Monate vor der Wahl sind die Wiener Sozialdemokraten im Umfragetief, die Freiheitlichen befinden sich auch dank der Asylpolitik der Bundesregierung im Aufwind. Strache hält ein Kopf-an-Kopf-Rennen nicht für ausgeschlossen. "Ich bin überzeugt, dass wir weit über 30 Prozent bekommen", sagte er. "Vielleicht können wir sogar erste Kraft werden."

Das von den Wiener Roten an die Funktionäre verteilte "Blaubuch FPÖ", das Skandale und Sünden der Freiheitlichen auflistet, bezeichnete Strache als "billig, primitiv, hetzerisch, unter der Gürtellinie". Im Buch werden unter anderem rechtsextreme Umtriebe von Freiheitlichen thematisiert.

Auch der Hypo-Milliardenskandal in Kärntner Regierungsverantwortung sowie die Rekordarbeitslosigkeit unter Schwarz-Blau im Bund werden angeführt. Für Strache sind diese Vorwürfe "konstruiert, an den Haaren herbei gezogen". Verurteilte BZÖ-Politiker würden im "Blaubuch" der SPÖ etwa der FPÖ zugerechnet werden, sagte er auf Nachfrage des STANDARD.

FPÖ plant Sündenregister der SPÖ

Strache könne sich als Konter auf das "Blaubuch" eine Art Sündenregister der SPÖ vorstellen, das sich auch den Rekordschulden und der Rekordarbeitslosigkeit in Wien widmet. "Aber sehr sachlich und auf Fakten basierend." FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus bezeichnete die Performance der rot-grünen Stadtregierung jedenfalls als "Anschlag auf die soziale Sicherheit".

In der Asyldiskussion hätte Häupl längst schon "die weiße Fahne" gehisst und würde Quoten übererfüllen, sagte Strache. Häupl empfahl er, stärker zu den Genossen nach Linz zu schauen: Wie berichtet hatte dort die SPÖ mit Taferln gegen ein Asylzentrum protestiert, die Entschuldigung von Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) folgte erst nach der Aufregung.

Strache-Lob für Linzer SPÖ

Die SPÖ in Linz widme sich – anders als die Wiener Sozialdemokraten – laut Strache "echten Problemen". Abzuschiebende, die "renitent sind, schreien und sich anurinieren", sollten mittels Militärmaschinen außer Landes gebracht werden, sagte Strache.

Faymann: keine Chefdebatte

Dass Häupl schon so früh im Wahlkampf scharfe Worte der FPÖ provoziert, hat auch mit den verschiedenen Positionen der SPÖ zu den Freiheitlichen zu tun. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) schaffte es trotz gültigem Bundesparteitagsbeschluss nicht, Rot-Blau im Burgenland zu verhindern.

Eine Führungsdebatte gebe es laut Faymann nicht, kritische Meinungen dürften geäußert werden. "Wenn das einen Parteivorsitzenden der SPÖ beunruhigt, dann wäre er nicht der Richtige." Auch Häupl hatte sich am Montag gegen eine SP-interne Personaldiskussion ausgesprochen. "Die ist Gift für uns." (David Krutzler, 23.6.2015)

Kommentar zum Wiener Wahlkampfauftakt: Es wird schmutzig

  • Wiens Bürgermeister Michael Häupl und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nach der Landtagswahl 2010. Die Auseinandersetzung zwischen Rot und Blau spitzt sich vor der Wien-Wahl 2015 zu.
    foto: matthias cremer

    Wiens Bürgermeister Michael Häupl und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nach der Landtagswahl 2010. Die Auseinandersetzung zwischen Rot und Blau spitzt sich vor der Wien-Wahl 2015 zu.

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