Geteiltes Echo auf Umweltenzyklika des Papstes

23. Juni 2015, 17:46
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Kirche reagiert vorsichtig auf Appelle von Franziskus. Beppe Grillo nutzt die Schrift für eigene Propaganda

Auch eine Woche nach der Veröffentlichung seiner ersten eigenen Enzyklika, Laudato si' ("Gelobt seist Du"), der sogenannten Umweltenzyklika von Papst Franziskus, haben sich die Wogen in Italien nicht beruhigt. Wissenschaftler haben ihn öffentlich für seine "ökologische Umkehr", für den Kampf gegen Umweltzerstörung, Klimawandel und Konsumrausch gelobt. Konservative Kreise und nicht zuletzt die Kirche selbst zeigen sich hingegen vorsichtig.

Auch politisch gesehen wird die Enzyklika zum heißen Eisen. Denn kein Geringerer als Beppe Grillo, Gründer der inzwischen zweitstärksten Partei Italiens, "Movimento 5 Stelle", nutzt die Enzyklika für eigene Propaganda. "Es eröffnet sich ein neues Szenario im unlöslichen Verhältnis zwischen Mensch und Natur", schreibt Grillo in seinem Blog und behauptet, dass Franziskus sich mehr oder weniger die Ideen seiner Protestbewegung zu eigen gemacht habe. Grillo hat in den letzten Jahren vor allem gegen große Infrastrukturprojekte wie der Superschnellzugverbindung zwischen Turin und Lion oder dem Brenner-Basis-Tunnel protestiert.

Jubel in Turin

Papst Franziskus fordert vor allem die reichen Länder auf, dem Konsumrausch abzuschwören und eine ökologische Kehrtwende. Dies ist im Volk gut angekommen. Bei seinem ersten Auftreten nach der Enzyklika in Turin jubelten ihm die Massen zu. Mehr als 200.000 Gläubige und auch Nichtgläubige nahmen an der Messe am Piazza Vittorio im Zentrum Turins teil. Sie ließen 190 kg Papier und 192 kg Plastik zurück. Und da Turin eine jener Städte Italiens ist, in der die Mülltrennung noch nicht gut funktioniert, kommt der Abfall der Müllverbrennung zu.

In der Tageszeitung "Il fatto quotidiano" herrschen Zweifel an der Kohärenz der Kirche, "ob sie auch fähig ist, den in der Enzyklika mit viel Idealismus geforderten Kampf gegen Umweltverschmutzung und Konsumrausch entsprechend zu kommunizieren." Die neue Nähe zur Naturwissenschaft ist im Vatikan nicht selbstverständlich. Lange Zeit war das Verhältnis gespannt bis feindlich.

Neue Appelle verschwiegen

Der Vatikankenner und Journalist Massimo Franco zeigt sich in der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera skeptisch, ob und welche Unterstützung Papst Franziskus in seinem Kampf gegen die Umweltsünden von der Kirche erhält. Manch ein Priester hatte bei der Sonntagspredigt die neuen Appelle des Papstes verschwiegen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 23.6.2015)

  • Die Kirche reagierte auf die Umweltenzyklika zurückhaltend.
    foto: ap / andrew medichini

    Die Kirche reagierte auf die Umweltenzyklika zurückhaltend.

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