Wie altägyptische Mystiker in die Zukunft blickten

28. Juni 2015, 17:25
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Ausstellung "Orakelsprüche, Magie und Horoskope im Papyrusmuseum

Wien – Wie steht es um meine Gesundheit, meinen Wohlstand, mein Liebesglück? Fragen wie diese beschäftigten auch die Bewohner des alten Ägypten, wie die Ausstellung "Orakelsprüche, Magie und Horoskope" ab Mittwoch mit über 70 Exponate im Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek am Heldenplatz zeigt.

Wobei vor fast 2.000 Jahren die "Gabe" der Vorhersage einen deutlich höheren Stellenwert einnahm als heutzutage. "Es war nicht unüblich, dass Herrscher vor wichtigen Entscheidungen Propheten um Rat fragten. Es herrschte damals die Überzeugung, dass das Schicksal einem größeren Ordnungsbild oder dem göttlichen Willen folgte", so die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek Johanna Rachinger. Zudem vermittle das Vermächtnis dieses Vertrauens in das Übernatürliche "einen authentischen Eindruck der Sorgen und Hoffnungen der Menschen dieser Zeit".

Breite Palette

Mit einigen fast gänzlich und vielen fragmentarisch erhaltenen Funden von Papyrusrollen und Pergamentkodizes mit ausführlichen Beschreibungen dazu bietet die Ausstellung einen spannenden Einblick in die mystische Welt der alten Ägypter. Neben auf Pergament und Papyrus verfassten Zaubersprüchen, die am Körper oder in einem Behälter um den Hals getragen vor Krankheiten oder Skorpionbissen schützen sollen, finden sich schriftliche Orakelfragen, die sich danach erkundigen, ob man nun die Geliebte heiraten oder das unsichere Amt des Steuereintreibers niederlegen soll.

Zwischen Flüchen, Schutzzaubern und astrologischen Handbüchern finden sich dabei auch Rezeptbücher für Zaubersprüche, die einer Frau den Namen ihres Geliebten entlocken sollten sowie einen Text über Palmomantik, der lange vergessenen Kunst, anhand der unkontrollierbaren Zuckungen eines Menschen seine Zukunft vorhersagen zu können. Die Texte sind teil in griechischer und arabischer sowie in koptischer und demotischer Sprache gehalten.

Weitere Exponate

Besondere Stücke aus der Schau seien dabei laut Kuratorin Angelika Zdiarsky ein auf Papyrus gehaltener Mondkalender und die einzige Abschrift des schwer deutbaren "Lamm des Bokchoris", einem demotischen Orakelspruch, der eine große Unheilszeit prophezeit, die nach 900 Jahren von einem neu an die Macht kommenden Herrscher beendet werden soll.

Darüber hinaus finden sich in der bis 10. Jänner 2016 zugänglichen Ausstellung noch Teile astrologischer Handbücher, Bauernkodizes, die Prognosen für Donner und Erdbeben lieferten, sowie ein Fragment des Fragen- und Antwortkatalogs "Astrampsychi", mit dem Orakel auf jede Frage mittels Konkordanztabellen und Zahlensystemen die richtige Antwort zu finden hofften. (APA/red, 28.6. 2015)


"Orakelsprüche, Magie und Horoskope. Wie Ägypten in die Zukunft sah", Ausstellung im Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek, Heldenplatz 1, 1010 Wien, 24. Juni bis 10. Jänner 2016, Di-So 10-18 Uhr.

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