Die Stimme gegen Hass und Hetze erheben

Userkommentar24. Juni 2015, 10:24
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Hetze statt tröstender Worte: Ich fühle mich fremd in unserem Land, weil die Menschlichkeit fehlt

Da verwendet ein gewisser Politiker ein grauenhaftes Ereignis, wie es in Graz stattgefunden hat, doch ernsthaft für seine eigene politische Hetze. In einer Stunde, wo unsere schöne Stadt Graz und vor allem die Angehörigen der Opfer, die verletzt oder getötet wurden, nichts brauchen außer tröstende Worte und ein offenes Ohr, missbraucht dieser Politiker das Leid und die Angst der Menschen, um seine politische Hetze weiter voranzutreiben.

Nachdem eine Politikerin derselben Partei ein paar Tage zuvor vorgeschlagen hat, man sollte doch Menschen bei einer Abschiebung in ein Militärflugzeug stecken, denn "dann können sie da drin schreien, so laut sie wollen ... Dort ist es so laut, dass sie sowieso niemand hört." Nachdem ich mir eine Rede eben jenes Politikers aus dem Jahre 2008 anschauen musste, wo er dasselbe vorschlägt, mit dem Zusatz: "Da können sie dann schreien und sich anurinieren, das stört dann niemanden."

Fremd im eigenen Land

Ich fühle mich fremd in unserem Land. Aber nicht, weil mich der nette junge Megafon-Verkäufer am Geschäftseingang stört. Nicht, weil mich der angenehm bunte Mix aus verschiedenen Menschen, den Graz beherbergt, jeden Tag aufs Neue beunruhigt. Nein, ich fühle mich fremd, weil mir die Menschlichkeit fehlt.

Ich fühle mich fremd, weil ich nicht verstehen kann, wie knapp 30 Prozent der wählenden Steirerinnen und Steirer sich für eine Partei entscheiden können, deren einziges und vollkommen offenes Ziel die Hetze gegen bestimmte Minderheiten ist. Eine Partei, in der unzählige "Einzelfälle" Platz finden – eine unzählige Menge an einzelnen Fällen von Verbotsgesetzübertretungen. Eine Partei, die sich selbst "soziale Heimatpartei" schimpft, aber von sozialem Miteinander wenig versteht.

Gegen Hass und Hetze

Ich habe Angst, ich habe definitiv Angst. Wie schlecht es um Österreich bestellt ist, wenn so eine Partei genug verzweifelte Menschen findet, um solch ein Wahlergebnis zu erreichen, will ich mir gar nicht vorstellen. Ich habe Angst und ich bin unsagbar traurig, dass diese Partei bis dato bei jeder Wahl immer mehr solcher Menschen findet, die sich ihrem Hass, ihrer Hetze, anschließen.

Ich habe nur meine eine Stimme. Aber ich habe beschlossen, dass ich sie nicht mehr für mich allein behalten will. Ich bitte euch alle inständig, vor der nächsten Wahl in euch hinein zu fragen, ob diese Hetze wirklich das ist, von dem ihr glaubt, dass es unserem Land auch nur in irgendeiner Art helfen wird. Ich bitte euch zu überlegen, ob ihr wollt, dass unser Land von solchen empathielosen und der sinnlosen Hetze verfallenen Menschen regiert und repräsentiert wird. Ich bitte euch, dass auch ihr eure Stimme gegen Hass und Hetze erhebt. (Martin Gallob, 24.6.2015)

  • Gedenken in Graz. Drei Menschen starben, 36 wurden verletzt, als ein Amokfahrer am Samstag mit seinem Geländewagen durch die Stadt raste.
    foto: apa/scheriau

    Gedenken in Graz. Drei Menschen starben, 36 wurden verletzt, als ein Amokfahrer am Samstag mit seinem Geländewagen durch die Stadt raste.

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