ORF-Einblicke ins Journalistendasein: Ohne Schweiß kein Ball

23. Juni 2015, 19:00
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Brücken, die man seit dem Verklingen des Song Contests abgerissen wähnte, wurden eilig wieder aufgerichtet

Nicht immer kann man sich als Journalist sein Tätigkeitsfeld aussuchen. Roland Adrowitzer, unser ORF-Mann in Athen, muss seit ein paar Tagen unter besonders kränkenden Bedingungen arbeiten. Adrowitzer wird seit Sonntagabend für die ZiB auf einem Balkon festgehalten. Während zu seinen Füßen die griechischen Wutbürger jeden Abend eine andere Zusammenrottung bilden, darf Adrowitzer seinen luftigen Posten in Blicknähe des hellenischen Parlamentsgebäudes nicht verlassen. Er kann sich bei Herrn Tsipras und dessen Regierung herzlich bedanken.

Schwer wölbt sich der ägäische Himmel über Adrowitzer. Eine kühlende Brise steigt von Piräus auf und bläht ihm das Kurzarmhemd. Man fragt sich besorgt: Darf Adrowitzer wenigstens ab und zu den luftigen Hochstand verlassen? Bringt man ihm zu festgesetzter Stunde einen Ziegel duftenden Moussakas vorbei?

Besser getroffen hatten es da Adrowitzers zahlreiche Kollegen, die es sich nicht nehmen ließen und den Concordia-Ball der Journalisten im Wiener Rathaus besuchten. Ballmutti Uschi Pöttler-Fellner hatte für heuer eine besonders zu Herzen gehende Losung ausgegeben: „East meets West.“ Brücken, die man seit dem Verklingen des Song Contests abgerissen wähnte, wurden eilig wieder aufgerichtet.

Tempeltänzerinnen vollführten im Ambiente der Wiener Hochgotik wahre Balanceakte. Man sah in den Seitenblicken sogar Ballbesucher, die sich ihrer Lackschuhe entledigt hatten. Fußzonen wurden eingehend untersucht. Statt „Alles Walzer!“ hieß es heuer also: „Zeigt her eure Schweißler!“ Nur um Roland Adrowitzers Fußreflexzonen kümmerte sich natürlich wieder niemand. (Ronald Pohl, 24.6.2015)

  • Live-Schaltung zu zu Roland Adrowitzer in Athen.
    foto: screenshot/orftvthek

    Live-Schaltung zu zu Roland Adrowitzer in Athen.

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