Burgherr legt sich mit "Österreich" an

24. Juni 2015, 15:00
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Ein Burgherr klagt wegen falscher Berichterstattung die Mediengruppe Österreich. Er will kein Geld für sich, sondern positive Artikel

Wien – Die gute Nachricht: "Wir haben ein Redaktionsstatut. Die Redaktion handelt eigenständig und übernimmt nicht eins zu eins Texte", verrät Niki Fellner als Zeuge Richter Herwig Handsur. Der Chefredakteur des "Österreich"-Onlineauftritts "oe24" muss allerdings auch zugeben, dass die Themenauswahl für die Redakteure und Redakteurinnen manchmal etwas, nun ja, fremdbestimmt ist.

Herr Karl Khevenhüller-Metsch, seines Zeichens Besitzer der Burg Hochosterwitz, hat die Mediengruppe Österreich geklagt. Die hatte nämlich im Sommer 2014 samt seinem Bild berichtet, dass er gröbere Probleme mit der Justiz hat. Was nicht stimmte.

"Das erste Mal, dass ich mit der Angelegenheit zu tun hatte, war, als mich Herr Ecker anrief", sagt Fellner. Herr Ecker heißt mit Vornamen Dietmar und ist umtriebiger PR-Berater. In der Sache hatte er ein Angebot, um sie ohne Richter aus dem Weg zu räumen.

Geschichte über Veranstaltungen

"Es ging um ein Erratum und darum, einen Artikel über Kulturveranstaltungen auf Hochosterwitz zu veröffentlichen", erzählt Zeuge Fellner. Der sicherte dies auch Ecker zu und dachte, damit sei die Sache erledigt.

Und tatsächlich: Überregional erschien zwei Tage später im Kulturteil ein großer Artikel über die "Highlights" auf der Burg, in Kärnten im Regionalteil ein zweiter, noch größerer Artikel. Wahrscheinlich war es tatsächlich ein großes Thema.

Ob Ecker für seine Intervention überhaupt einen Auftrag hatte, bleibt vorerst unklar. Er ist trotz Zeugenladung nicht erschienen, was Richter Handsur weniger gut findet – er verhängte eine Ordnungsstrafe von 150 Euro.

Spende an Kinderspital

Auch Khevenhüller-Metsch ist verhindert, er steckt im Stau. Telefonisch verhandelt er dennoch mit Fellner über einen Vergleich. Das Vergleichsangebot laut Klägeranwalt: "Österreich" zahlt 6.000 Euro an das St.-Anna-Kinderspital. Und veröffentlicht darüber einen Artikel. In dem nicht nur die Vorwürfe nochmals richtiggestellt werden, sondern in dem sich auch wahrheitswidrig finden soll, dass 3.000 Euro der Spende von Khevenhüller-Metsch stammen.

Zunächst behindert die Polizei die Gespräche, da der Kläger wegen Telefonierens am Steuer von der Exekutive gestoppt wird. Schlussendlich lehnen die Beklagten ab – 6.000 Euro seien zu viel. Handsur muss daher auf unbestimmte Zeit vertagen. (Michael Möseneder, 23.6.2015)

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