Neue Rote Liste umfasst beinahe 23.000 Spezies

23. Juni 2015, 14:25
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Insbesondere bei einigen Säugetierarten haben verschärfte Schutzmaßnahmen jedoch gegriffen

Genf – Die Zahl derjenigen Tier- und Pflanzenarten, die als vom Aussterben bedroht eingestuft werden müssen, steigt weiter an. Nach der von der Weltnaturschutzunion (IUCN) am Dienstag in Genf vorlegten neuen Roten Liste sind mittlerweile 22.784 Arten bedroht.

Die Natur sei "zunehmend gefährdet", warnte IUCN-Chefin Inger Andersen. Gleichzeitig aber lobte sie eine Reihe gezielter Maßnahmen zum Schutz bedrohter Arten. Diese hätten "hervorragende Ergebnisse" erzielt.

Rettung in letzter Sekunde für den Pardelluchs

Als einen der Erfolge nannte Andersen die Lage des Pardelluchses. Der nur auf der Iberischen Halbinsel vorkommende Verwandte unseres Luchses zählte vor einem halben Jahrhundert noch einen Bestand von etwa 5.000 Tieren. Zuletzt war er mit einem Bestand von nur mehr 52 erwachsenen Tieren ein Anwärter auf den zweifelhaften Titel "seltenste Katzenart der Welt" gewesen.

Von diesem absoluten Minimalstand im Jahr 2002 hat sich die Art nun wieder erholt und binnen eines Jahrzehnts ihren Bestand auf 156 verdreifacht. Ein Grund dafür war demnach die Ansiedlung von Kaninchen in Spanien und Portugal. Auf sie machen die Luchse besonders gerne Jagd. Zudem wurde der Bestand seit der Jahrtausendwende durch Zuchtprogramme und Auswilderungen erhöht.

Problemfälle

Weniger gut geht es zwei anderen Katzenarten: Die Afrikanische Goldkatze gilt als "gefährdet". Die kleine Raubkatze lebt äußerst zurückgezogen in den Regenwäldern Zentralafrikas und wird etwa zwei Mal so groß wie eine Hauskatze.

Regional vom Aussterben bedroht ist der Löwe in Westafrika, dessen dortige Bestände unter anderem durch übermäßige Jagd stark geschrumpft sind. Knochen und andere Körperteile würden zusehends für traditionelle Medizin in Afrika und Asien nachgefragt, klagte der IUCN-Bericht.

Auch Robben brauchen Schutz

Stark gefährdet ist der Neuseeländische Seelöwe, vor allem wegen Krankheiten und einer durch Fischerei veränderten Umwelt. Auch bei Robben zeigt sich allerdings, wie gut Schutzmaßnahmen greifen können: Der Bestand der äußerst seltenen Guadalupe-Seebären konnte sich laut IUCN kräftig erholen. Wurden in den 50er-Jahren entlang der Westküste Kaliforniens sowie vor der zu Mexiko gehörenden Insel Guadalupe nur noch 200 bis 500 Exemplare gezählt, leben dort Dank einer Verschärfung der Schutzgesetze nunmehr 20.000 Tiere. Die IUCN listet sie heute als "gering gefährdet".

Vom Aussterben bedroht sind hingegen die beiden Krebsarten Karstama balicum und Karstama emdi, deren äußerst begrenzter Lebensraum nicht mehr so abgeschieden ist wie früher. Sie kommen nämlich nur in einer Höhle auf der indonesischen Insel Bali vor. Gefährdet sind sie durch wachsenden Tourismus und durch religiöse Zeremonien, die in der Höhle abgehalten werden. (APA/red, 23.6. 2015)


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IUCN

  • Ein Pardelluchs wird in die Freiheit entlassen. Die Tiere sind etwas kleiner als der auch bei uns gelegentlich vorkommende Eurasische Luchs, haben aber einen beeindruckenderen Backenbart.
    foto: reuters/marcelo del pozo

    Ein Pardelluchs wird in die Freiheit entlassen. Die Tiere sind etwas kleiner als der auch bei uns gelegentlich vorkommende Eurasische Luchs, haben aber einen beeindruckenderen Backenbart.

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