Nintendo: Wieso die Wii U scheiterte und Virtual Reality keinen Spaß macht

23. Juni 2015, 10:46
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Konzern-Spitze erklärt, wieso aus dem nächsten großen Hit nichts wurde

Die Wii U war zum Marktstart teuerer und überraschte die Kunden weniger, als man es erhofft hatte. So erklärt sich zumindest Nintendos Chefspielentwickler Shigeru Miyamoto das kommerzielle Scheitern der Konsole.

"Der Preis der Wii U fiel ein bisschen höher aus, als wir es gewollt hätten", sagt Miyamoto im Interview mit NPR. "Aber ich denke nicht, dass es nur der Preis ist, denn wenn ein System interessant genug ist, kaufen es die Leute auch, wenn es etwas teurer ist."

Trend verpasst

Das größte Problem sei gewesen, dass das einzigartige Unterscheidungsmerkmal der Wii U, der Tablet-Controller, zum Marktstart nicht mehr überraschen konnte. "Leider erschien die Wii U zu einer Zeit, in der diese Features vielleicht nicht mehr so einzigartig waren wie zu dem Zeitpunkt, als wir mit der Entwicklung begonnen hatten."

Der Markt habe sich schneller entwickelt, als man es vorausgesehen hatte. Miyamoto hofft, dass dies bei der nächsten Konsole NX nicht der Fall sein wird. "Das Besondere an Nintendo ist meiner Meinung nach, dass wir ständig Dinge ausprobieren, die einzigartig und anders sind. Manchmal funktioniert es, manchmal ist es kein so großer Erfolg, wie wir uns das erhoffen. Nach der Wii U hoffen wir, dass wir nächstes Mal einen sehr großen Hit landen."

VR ist derzeit nur Technik

Dass die neue Konsole den nächsten großen Trend rund um Virtual Reality aufgreifen wird, erscheint weiteren Aussagen von Nintendo-of-America-Chef Reggie Fils-Amie nach eher unwahrscheinlich. In einem Interview mit Polygon sagte er ganz offen, dass er von VR im derzeitigen Zustand wenig hält. "Wir haben genügend Kenntnis über diesen technologischen Bereich und wir experimentieren damit schon lange lange Zeit", sagt Fils-Amie. In den 1990er-Jahren brachte Nintendo den Virtua-Boy heraus und landete damit einen der größeren Flops der Firmengeschichte.

"Wir sind davon überzeugt, dass diese Technologie nur vorankommen kann, wenn sie Spaß macht, außerdem muss man sie sozialer gestalten. Was ich bisher gesehen habe, macht keinen Spaß und ist nicht sozial. Es ist nur Technik."

Andere Philosophie

Miyamoto bekräftigte hingegen zumindest Interesse an Virtual Reality, doch er erklärte, dass die Technologie derzeit nicht mit der Produktphilosophie des Herstellers zusammenpasse. "Wir sind interessiert daran, doch gleichzeitig ist es Nintendos Philosophie, Produkte zu entwickeln, die gemeinsam im Wohnzimmer gespielt werden können." Der Entwickler schließt nicht aus, dass es künftig ein VR-System geben wird, das in dieses Segment hineinpasst, doch aktuell scheint man selbst nicht daran zu arbeiten. "Wir haben nichts in naher Zukunft, das diesen Kriterien gerecht wird", sagte Miyamoto. Deshalb habe man auch auf der vergangenen Spielemesse E3 nichts in Sachen VR gezeigt.

Dass der soziale Aspekt für VR wesentlich ist, scheint sich auch Sony bei der Entwicklung von Project Morpheus für PS4 gedacht haben. So präsentierte man auf der E3 erste VR-Games, die das Zusammenspiel zwischen VR-Nutzer und anderen Spielern auf einer PS4 ermöglichen – ganz ähnlich dem Wii-U-Konzept, bei dem ein Spieler auf dem Tablet zockt während die anderen auf dem Fernseher spielen. (zw, 23.6.2015)

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NPR

Polygon

  • Miyamoto: "Leider erschien die Wii U zu einer Zeit, in der diese Features vielleicht nicht mehr so einzigartig waren wie zu dem Zeitpunkt, als wir mit der Entwicklung begonnen hatten."
    foto: ap photo/jae c. hong

    Miyamoto: "Leider erschien die Wii U zu einer Zeit, in der diese Features vielleicht nicht mehr so einzigartig waren wie zu dem Zeitpunkt, als wir mit der Entwicklung begonnen hatten."

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