Drusen griffen israelische Militärambulanz an – ein Toter

23. Juni 2015, 11:17
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Aufgebrachte Menge griff Rettungswagen mit zwei Syrern an, einer der beiden Verletzten starb

Jerusalem – Lang aufgestaute Wut und Frustration über die Syrien-Politik der israelischen Regierung unter den Drusen des Landes ist am Montagabend weiter eskaliert. Einwohner eines Drusendorfes auf den von Israel kontrollierten Golan-Höhen griffen ein Ambulanzfahrzeug der israelischen Streitkräfte (IDF) an, das offenbar zwei verletzte syrische Rebellen abtransportieren wollte. Eine Person starb dabei laut israelischen Polizeiangaben. Der zweite verwundete Syrer wird derzeit in einem israelischen Krankenhaus versorgt, seine Verletzungen sind lebensbedrohlich. Zwei Soldaten sind bei dem Angriff laut "Haaretz" ebenfalls verletzt worden.

Laut Behörden warfen die Dorfbewohner Steine und andere Geschoße auf das Fahrzeug, wodurch die beiden bereits Verwundeten noch schwerer verletzt wurden. Laut "Haaretz" wurden die Syrer auch geschlagen.

Von Islamisten bedroht

Es ist der bereits zweite Angriff durch Drusen auf eine israelische Militärambulanz innerhalb von 24 Stunden. Premierminister Benjamin Netanjahu rief die Drusenanführer in seinem Land dazu auf, die Situation zu beruhigen. Sheikh Muwafaq Tarif, geistlicher Führer der israelischen Drusen, verurteilte die Angriffe scharf.

Die Drusen sind eine arabische Minderheit, die sowohl in Israel, Syrien als auch im Libanon lebt. Viele der rund 700.000 Drusen Syriens sind derzeit im syrischen Bürgerkrieg von Jihadisten bedroht, die die Mitglieder der geheimnisumwobenen Sekte als Häretiker ansehen. Anfang Juni richteten Mitglieder der radikal-islamischen Jabhat an-Nusra, dem syrischen Ableger der Al-Kaida, ein Massaker an Drusen in der syrischen Stadt Idlib an. Nun rücken Kämpfer der Nusra-Front in die Drusengebiete am Golan vor.

Massendemonstrationen

Viele Drusen im benachbarten Israel fordern schon seit geraumer Zeit ein Eingreifen der Regierung Netanjahu aufseiten ihrer bedrohten Brüder in Syrien. Eine Forderung, die die Regierung in Jerusalem bisher ablehnte. In Nordisrael leben mehr als 100.000 Drusen, von denen viele als Berufssoldaten in den Streitkräften dienen und wichtige Posten im Militär besetzen. Gleichzeitig leben auf dem von Israel annektierten Teil der Golan-Höhen jedoch Drusen, die nicht die israelische Staatsbürgerschaft besitzen. Die Eskalation kommt nicht überraschend, in den vergangenen Tagen gab es Massendemonstrationen von Drusen in Israel. Einige von ihnen werfen der Regierung vor, mit Islamisten zusammenzuarbeiten. (stb, 23.6.2015)

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