Geldregen für Rapid, Jobabbau in Graz

22. Juni 2015, 21:25
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Einkaufsgemeinschaft investiert 1,8 Millionen Euro pro Jahr beim Rekordmeister – Gegen die Firma wird wegen Verdachts auf Pyramidenspiel ermittelt

Wien – Die internationale Einkaufsgemeinschaft Lyoness und Österreichs Fußball-Rekordmeister SK Rapid Wien werden in den kommenden fünf Jahren miteinander kooperieren. Lyoness investiert in diese Partnerschaft 1,8 Millionen Euro pro Saison und erhält dafür ein umfangreiches Kommunikationspaket bei den Hütteldorfern, wie der aktuelle Vizemeister und Lyoness am Montagabend in Wien bekanntgaben.

"Das Gegenmodell zum Oligarchen-Verein"

Rapid-Präsident Michael Krammer sprach von einem "sehr erfreulichen" Tag. "Rapid ist das Gegenmodell zum Oligarchen-Verein, Rapid ist der Mitglieder-Verein", betonte Krammer, dass Lyoness mit seinen fünf Millionen Mitgliedern in 46 Ländern auf allen Kontinenten als Hauptsponsor perfekt zum "Community-Club" passe.

Deutlich erkennbar wird die Kooperation künftig auf der Rückseite der Rapid-Trikots sein. Kapitän Steffen Hofmann wird das Logo von Lyoness bei nationalen Spielen in der Meisterschaft und im Cup auch als Brustsponsor auf seinem Trikot präsentieren. Zudem werde es ab Herbst eine eigene "Lyoness Cashback Card" für Mitglieder des SK Rapid geben.

"Damit setzen wir unsere Wachstumsstrategie fort und können mit dieser tollen Partnerschaft das wirtschaftliche Fundament für sportliche Erfolge erweitern", betonte Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek, der sich wie Krammer bei Club-Manager Werner Kuhn bedankte. Der 61-Jährige sei "über Monate hinweg federführend tätig" gewesen, damit dieses "Riesenprojekt" abgeschlossen werden konnte.

Zufälligkeiten auf der Zeitleiste

"Die Entscheidung, diese langfristige Partnerschaft mit dem SK Rapid einzugehen, wurde nicht zuletzt dadurch gestärkt, dass wir dieselben Werte teilen: Gemeinschaft, und Offenheit", erklärte Andreas Werner, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Lyoness Group AG die Kooperation mit den Hütteldorfern. Werner wird bei der nächsten Sitzung auch in das Kuratorium des SK Rapid Wien kooptiert.

Dass am Lyoness-Stammsitz in Graz 80 Planstellen abgebaut werden, habe laut Werner nichts mit der am Montagabend unterzeichneten Kooperationsvereinbarung mit Rapid zu tun. "Das hat sich nur zufällig auf der Zeitleiste getroffen", erklärte der Aufsichtsrats-Vorsitzende.

Lyoness ist bereits seit vier Jahren Hauptsponsor der österreichischen Golf Open in Atzenbrugg (NÖ). Dieses Engagement ziele auf den internationalen Markt ab, durch die Kooperation mit Rapid wolle man nun auf nationaler Ebene eine stärkere Marktpräsenz erreichen.

Ermittlungen und Verfahren

Gegen die Rabattfirma Lyoness ermittelt seit 2012 die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wegen Verdachts auf Pyramidenspiel. Auf der Zivilrechtsebene läuft weiters ein vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) angestrengtes Verfahren wegen gesetzwidriger Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Lyoness.

In erster Instanz hat das Handelsgericht (HG) Wien 61 AGB-Klauseln als gesetzeswidrig deklariert, die Einkaufsgemeinschaft hat Berufung eingelegt, ein rechtskräftiges Urteil ist erst 2016 zu erwarten. (APA, 22.6.2015)

  • Christoph Peschek,  Steffen Hofmann und Andreas Werner, der Aufsichtsratsvorsitzende der Lyoness Group AG.
    foto: sk rapid

    Christoph Peschek, Steffen Hofmann und Andreas Werner, der Aufsichtsratsvorsitzende der Lyoness Group AG.

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