Vorarbeiten für weitere Entwicklung von "Neu Marx"

22. Juni 2015, 18:32
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Auf der großen, einst für den ORF reservierten Fläche wird ein Nutzungsmix mit kleineren Betrieben, Start-ups und Wohnhäusern geplant

Der Wiener Stadtteil St. Marx, einst das Zentrum der fleischverarbeitenden Industrie der Donaumetropole, wird weiter zu einem modernen neuen Stadtteil umgestaltet. Schon jetzt sind in St. Marx rund 100 Unternehmen mit 7.000 Mitarbeitern aktiv. In den vergangenen Jahren wurden insgesamt 670 Millionen Euro investiert, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Stadträtin Renate Brauner (SPÖ), Wien-Holding-Geschäftsführerin Sigrid Oblak, Wirtschaftsagentur-Vorstand Gerhard Hirczi, WSE-Geschäftsführer Stephan Barasits und dem Stadtplaner und TU-Professor Rudolf Scheuvens (Büro Raumposition).

Nutzungskonzept

Auch für die 40.000 m² große Fläche an der Adresse Karl-Farkas-Gasse 1, die für die Ansiedlung des ORF reserviert war (er entschied sich bekanntlich dafür, auf dem Küniglberg zu bleiben), gibt es nun ein Konzept. Sie wird sukzessive bebaut werden, wobei man auf einen "kreativen Nutzungsmix" wert legt. Dafür ist in den vergangenen Monaten unter Scheuvens‘ Regie ein Konzept erarbeitet worden.

Das Konzept namens "Neu Marx reloaded" basiere auf einem dialogorientierten, "lernenden" Planungsverfahren. Mehrere Standortkonferenzen mit internationaler Beteiligung wurden zur Grundlage eines offenen und kreativen Diskurses um Entwicklungsperspektiven des Standortes durchgeführt, berichtete Scheuvens.

Der Standort liege zwar für viele Wiener eher "weit draußen", sei aus Sicht der Stadt aber "unglaublich interessant"; im Zusammenspiel mit dem "Juwel" des Areals, der riesigen "Marx Halle", könne er zu einer "international herausragenden" Adresse werden, glaubt der Raumplaner.

Öffnung Richtung Wohnen

Drei Szenarien namens "Commercial City", "Creative City" und "Living City" habe man erarbeitet, wobei die reine Fokussierung auf Wohnen "keinen Sinn" an dem Standort mache, so Scheuvens. Eine "behutsame Erweiterung des Nutzungsspektrums um das Thema Wohnen" sei aber vorgesehen. Wichtige Ziele seien die Öffnung des Areals hin zur Tangente sowie eine "Aktivierung" der Erdgeschoßzonen.

Brauner kündigte an, die "bereits definierten Nutzungsschwerpunkte Forschung, Technologie, Medien und Kreativwirtschaft" in Zukunft weiter ausbauen zu wollen. "Wir wollen weiter junge, aufstrebende, technologieorientierte Start-ups hierher bringen." Als Beispiel nannte sie das akademische Gründerzentrum INiTS, das sich im Herbst im Bauteil 3 des Media Quarter Marx (MQM 3) ansiedeln werde und das mit der erfolgreichen Begleitung von bisher 165 Unternehmensgründungen in Europa zu den besten drei sogenannten "Inkubatoren" zähle.

"ORF wird noch bereuen"

Brauner sagte, der ORF werde es noch bereuen, dass er sich gegen Neu Marx entschieden habe. Medien sollen dort aber auch künftig eine Rolle spielen – liegt der Platz doch unmittelbar neben den bestehenden Media-Quarter-Gebäuden, in denen etwa bereits der Fernsehsender Puls 4 sowie die "Wiener Zeitung" beheimatet sind. Weitere Firmen aus dem Kommunikationsbereich sollen für eine Ansiedlung gewonnen werden, Biotech-Betriebe sind ebenfalls erwünscht.

Oblak sagte, bis Jahresende 2016 wolle man einen fertigen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan haben. Bis dahin soll die unbebaute Marx-Fläche zwischengenutzt werden, etwa für Zirkus-Gastspiele. Die ersten Bauten dort könnten dann ab 2017 in die Höhe wachsen.

Bis Sommer 2017 gibt es auch einen Mietvertrag mit dem Pächter des "Juwels" Marx Halle. Momentan wird sie für größere Veranstaltungen wie Konzerte oder Parteitreffen genutzt; derzeit hat dort Michael Niavarani sein "Globe Theatre" aufgebaut. Die Zukunftsvision sieht dort eher kleinteilige Aktivitäten vor, wie betont wurde. Sprich: Die Marx Halle wird laut derzeitigem Stand keine Location für größere Pop-Konzerte werden. Angedacht ist vielmehr eine "kleinteilige Aktivierung" mit einer urbanen Mischung aus Kultur- und Kreativwirtschaft, Dienstleistungen und Gemeinschaftsbereichen, aber auch eine Nutzung für Spezialmessen, Ausstellungen, Kultur- und Kunstveranstaltungen und Märkte. (mapu, 22.6.2015)

  • Die ehemalige Rinderhalle, nunmehrige "Marx Halle" soll künftig "kleinteilig" bespielt werden.
    foto: putschögl

    Die ehemalige Rinderhalle, nunmehrige "Marx Halle" soll künftig "kleinteilig" bespielt werden.

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