Christie's vs Sotheby's: Machtkampf im Namen der Kunst

23. Juni 2015, 11:48
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Christie's und Sotheby's haben den Auktionsmarkt fest im Griff. Die zwei Erzrivalen liefern sich harte Duelle, ihre Erträge sind unter Druck

New York/London – Alberto Giacometti hätte das Geschäft seines Lebens gemacht. Acht Minuten lang währte im Mai das Rennen um seine Skulptur des "Zeigenden Mannes". Zum Rekordpreis von mehr als 140 Millionen Dollar kam sie unter den Hammer. Das Werk des Schweizer Künstlers übertraf damit seinen geschätzten Wert um das Fünffache. Surreale 179 Millionen Dollar spielte fast zeitgleich Pablo Picassos Gemälde "Les Femmes d'Algier" ein. Der Kunstmarkt rotierte angesichts der beiden Weltrekorde. Hinter den Kulissen aber tobt ein erbitterter Zweikampf.

Die Kontrahenten bekriegen einander seit bald 250 Jahren, und sie beherrschen gemeinsam mittlerweile mehr als 40 Prozent der internationalen Kunstauktionen. Sotheby's startete 1744 in London. Christie's stieg mit Aufträgen für die königliche Familie und Aristokratie ebendort 22 Jahre später ins Geschäft ein. Heute führen beide weltweit Niederlassungen, Christie's von London, Sotheby's von New York aus. Und es gibt keinen Millionendeal in der Branche, bei dem sie nicht ihre Fäden ziehen.

Gewinne schmelzen

Doch das erbitterte, teilweise ruinöse Duell hinterlässt Spuren. Trotz immer neuer Rekorde bei den Versteigerungen gerieten die Erträge des geschichtsträchtigen Duos zuletzt erheblich unter Druck. Vor allem bei Sotheby's schmelzen trotz kräftig wachsender Umsätze die Gewinne: Rund neun Prozent Minus waren es beim börsennotierten Konzern etwa im Vorjahr.

Im Rennen um Marktanteile lassen die Auktionshäuser mitunter ihre Vermittlungsgebühren sausen. Dazu kommen garantierte Erlöse für Verkäufer. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schildert etwa den Fall der Bronzefigur "Chariot" von Giacometti. Stolze 101 Millionen Dollar war sie dem neuen Eigentümer, dem Hedgefondsmilliardär Steven A. Cohen, im Vorjahr wert. Doch Sotheby's hatte dem Verkäufer, Alexander Goulandris, Mitglied einer griechischen Schifffahrtsdynastie, zumindest gut 103 Millionen zugesichert. Die Differenz schmälerte Konzernkennern zufolge das Konto des Auktionshauses – abhängig von den Marketingkosten um im besten Fall zwei Millionen Dollar.

Verluste trotz Rekorden

Christie's wiederum soll unter anderem bei Jeff Koons' "Balloon Dog" finanziell durch die Finger geschaut haben. 58 Millionen Dollar brachte die eigenwillige Plastik eines Pudels bei Christie's ein. Es war der höchste je für einen lebenden Künstler bezahlte Preis. Für Christie's freilich blieb laut Bloomberg aufgrund der enormen Kosten für Marketing und Installation nichts übrig. Die Auktionshäuser selbst enthalten sich dazu eines jeden Kommentars.

Die Finanzen in den Griff bekommen müssen nun neue Chefs. Sowohl Sotheby's als auch Christie's haben erst jüngst ihre Führungsspitze ausgetauscht. Wobei dies vor allem bei den New Yorkern von harten Turbulenzen begleitet wurde. Sotheby's erinnere ihn an ein altes Meisterwerk, das dringend restauriert gehöre, ließ Großaktionär Daniel Loeb wissen, zettelte eine Revolte unter den Anteilseignern an und zwang Ende 2014 William Ruprecht vom Chefsessel. Sein Nachfolger Tad Smith versteht, wie er selbst gegenüber Analysten einräumte, als früherer CEO des Madison Square Garden wenig von Kunst. Sein Job sei es aber, dem Auktionshaus den Weg ins Internet zu ebnen und die Expansion in Asien voranzutreiben.

Expansion nach China

Beides ist für die Branche Gebot der Stunde. Vor allem China bietet rasantes Wachstum. Im Visier stehen weniger alte Sammler als neureiche Kunden: die Profiteure der Finanzkrise und junge Milliardäre aus dem Osten. Und diese schlagen gern über das Web zu. Sotheby's kooperiert daher heuer wieder mit Ebay, jedoch nicht im Kerngeschäft. Ob der Massenanbieter der richtige Partner für das elitäre Haus ist, gilt als umstritten.

Christie's vertraut online lieber auf sich selbst. Und auf Patricia Barbizet. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Privatunternehmens, gut in der Kunstszene vernetzt und Vertraute des Eigentümers François Pinault. Einblicke in die Bilanzen gewährt der französische Milliardär anders als Rivale Sotheby's, der quartalsmäßig Zahlen vorlegen muss, keine. Wie auch interne Konflikte bisher nie an die Öffentlichkeit drangen. (vk, 23.6.2015)

  • Andreas Rumbler, Chefversteigerer des Londoner Auktionshauses Christie's, schwingt den Hammer und dirigiert damit innerhalb weniger Minuten Millionen.
    ap / julie jacobson

    Andreas Rumbler, Chefversteigerer des Londoner Auktionshauses Christie's, schwingt den Hammer und dirigiert damit innerhalb weniger Minuten Millionen.

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