Uno-Bericht über Gazakrieg: Neue Realitäten

Kommentar22. Juni 2015, 18:07
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Die Hamas könnte bald wie das geringere Übel aussehen

So viel ist im vergangenen Jahr im Nahen Osten passiert, dass der nun veröffentlichte Uno-Bericht über Krieg zwischen der Hamas und Israel im Sommer 2014 historisch anmutet. Das tut er aber auch deshalb, weil die Beteiligten in einer Zeitschleife gefangen zu sein scheinen: der Raketenterror gegen Israel aus dem Gazastreifen, Israels militärische Antwort mit immer höheren Opferzahlen unter Zivilisten und immer mehr Zerstörung ziviler Infrastruktur, der kritische Uno-Bericht, den Israel als "Delegitimierungsversuch" zurückweist. Indes lässt der Bericht keinen Zweifel daran, dass man es bei der Hamas mit einer Verbrecherbande zu tun hat. Die Unverhältnismäßigkeit der Opferzahlen im Gazastreifen ändert das nicht.

Auch für die Menschen auf beiden Seiten ist die Zeit stehengeblieben: die Angst im Süden Israels, Not und Verzweiflung im Gazastreifen, dessen Wiederaufbau weit hinter dem Plan zurückliegt.

Und doch ist heute einiges anders: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas stellte kürzlich in einem Interview fest, dass es zwischen Hamas und Israel eine Sicherheitszusammenarbeit gebe. Hinter dieser Übertreibung steckt die sich schon länger abzeichnende Realität, dass angesichts des Aufkommens viel radikalerer Gruppen im Gazastreifen – auch der "Islamische Staat" ist darunter – der Punkt kommen könnte, an dem Israel ein Interesse daran hat, dass die Hamas die stärkste Gruppe bleibt. (Gudrun Harrer, 22.6.2015)

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