Kunstaktion "Die Toten kommen": Schrill und schrecklich

Kommentar22. Juni 2015, 18:10
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Es ging hauptsächlich um Effekthascherei

Nun hat auch vor dem Parlament in Wien ein "Flüchtlingsgrab" seinen Platz gefunden – allerdings nur ein symbolisches. In Berlin hingegen wurden in der Vorwoche tatsächlich ordnungsgemäß Flüchtlinge bestattet.

Unter dem Motto "Die Toten kommen" brachte das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" Leichen von im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen in die deutsche Hauptstadt, um diese dort zu begraben und gleichzeitig gegen die Asylpolitik der EU zu protestieren.

Schon die Beerdigung auf Berliner Friedhöfen löste eine Riesendebatte aus. Darf man das? Ist es nicht schrecklich, Leichen zu "instrumentalisieren"? Ja, es ist schrecklich. Aber diese Aktion hat – im besten Sinne – wehgetan. Denn von den Deutschen ist das Mittelmeer genauso weit weg wie von Österreich. Viel zu oft wird verdrängt, dass dort nicht Nummern, sondern Menschen in Not umkommen. Und immerhin wurde den Toten das gegeben, was ihnen in Italien versagt wurde: eine würdige letzte Ruhestätte.

Schrecklich im negativen Sinne hingegen war die tagelang zuvor getrommelte Ankündigung, man wolle am Sonntag vor dem Berliner Kanzleramt einige Leichen bestatten und gleich mit einem Bagger und Spitzhacken ein Gräberfeld schaffen. Jedem war klar, dass es dafür niemals eine Genehmigung geben würde. Hier ging es hauptsächlich um Effekthascherei. Ein weniger schrilles Spektakel wäre wohl die stärkere Botschaft gewesen. (Birgit Baumann, 22.6.2015)

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