Nach Sex mit Neandertaler quasi in flagranti erwischt

22. Juni 2015, 17:49
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Dass unsere Vorfahren sich mit Neandertalern paarten, ist längst erwiesen. Nun fanden Forscher Überreste eines Homo sapiens mit besonders viel Neandertaler-DNA

Leipzig/Wien – Selten hat eine neue Methode unseren Blick auf die Geschichte des Menschen so sehr verändert wie die Paläogenetik. Was Forscher um Svante Pääbo oder David Reich, die zwei Pioniere dieser Forschungsrichtung, in den vergangenen Jahren anhand der Analyse uralter DNA über unsere Vorfahren herausfanden, hat unser Bild von der jüngeren Geschichte der Menschheit mehrfach erschüttert.

Eine der erstaunlicheren neuen Erkenntnisse war, dass moderne Menschen einst in Europa Sex mit Neandertalern gehabt haben müssen. Denn Menschen mit Wurzeln außerhalb Afrikas tragen noch immer zwischen einem und drei Prozent Neandertaler-DNA in sich. Allzu oft dürften diese intimen Kontakte aber nicht gewesen sein – denn sonst hätten wir von unseren ausgestorbenen nächsten Verwandten mehr DNA "geerbt".

6 bis 9,4 Prozent Neandertaler-DNA

Für ihre jüngste Untersuchung haben Forscher um Pääbo (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig) und Reich (Harvard Medical School) den 2002 gefundenen Unterkieferknochen eines modernen Menschen analysiert, der irgendwann vor 37.000 bis 42.000 Jahren in der Peștera cu Oase (deutsch: Knochenhöhle) im Südwesten Rumäniens seine Ruhestätte fand – und abermals eine erstaunliche Entdeckung gemacht.

Nach paläogenetischen Analysen enthält das Genom dieses Menschen nämlich zwischen 6,0 und 9,4 Prozent Neandertaler-DNA – das ist mehr als bei jedem anderen bisher sequenzierten Vertreter von Homo sapiens, wie das Team um Pääbo und Reich David Reich im britischen Fachmagazin Nature berichtet.

Für Pääbo handelt es sich um einen fantastischen Glücksfall, eine Person zu finden, die so nah mit einem Neandertaler verwandt war: "Wir haben sie fast in flagranti erwischt." Anders gesagt, gab es in vier bis sechs Generationen zuvor einen Neandertaler als Vorfahren. Der Fund zeigt damit, dass sich Menschen und Neandertaler auch noch in Europa paarten. Unklar bleibt allerdings, ob sie in der Höhle auch zusammenlebten – oder ob es nur ein One-Night-Stand war. (tasch, dpa, 22.6.2015)

  • Spuren einer raren Paarung: Der menschliche Besitzer dieses Unterkiefers hatte als einen Ururgroßelternteil einen Neandertaler.
    foto: svante pääbo, max planck institute for evolutionary anthropology

    Spuren einer raren Paarung: Der menschliche Besitzer dieses Unterkiefers hatte als einen Ururgroßelternteil einen Neandertaler.

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