Heinisch-Hosek veröffentlicht Erlass zu neuer Sexualerziehung

22. Juni 2015, 17:12
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Stärkere Betonung der Rolle der Eltern und Erziehungsberechtigten in heute an die Landesschulräte versendetem Erlass

Wien – Das Bildungsministerium hat am Montag den umstrittenen neuen "Grundsatzerlass Sexualpädagogik" veröffentlicht. Gegenüber dem Entwurf finden sich darin Änderungen. So wird nun die Zusammenarbeit mit Eltern, etwa im Rahmen von Elternabenden, stärker betont. Enger umschriebene Wertvorstellungen sollen im Rahmen der Sexualerziehung nicht vermittelt werden, heißt es in dem Erlass.

Da es sich hier um ein "sensibles Thema" handelt, habe man sich um einen offenen Prozess bemüht, so Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) in einer Aussendung. Insgesamt seien etwa 50 Stellungnahmen eingegangen, die bei der Überarbeitung des von einem Expertenbeirat erstellten Entwurfs berücksichtigt wurden. Der alte Erlass habe seinen Ursprung in den 1970er-Jahren und sei 1990 nur geringfügig aktualisiert worden. "Eine Berücksichtigung gesellschaftlicher Veränderungen und die Anpassung an aktuelle Lebensrealitäten war deshalb hoch an der Zeit", so die Ministerin.

Keine Angst vor Diskriminierung

"Sexualität ist ein mit unterschiedlichen Werten verbundenes Thema. Daher soll Schule dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche befähigt werden, eigene Wertvorstellungen zu entwickeln wie auch zu erweitern und Respekt vor anderen Werten und Sichtweisen zeigen zu können", so nun der Wortlaut des bereits an die Landesschulräte versendeten Rundschreibens, das am Montag auch auf der Website des Bildungsministeriums online geht. "Ebenso sollen Kinder und Jugendliche in der Schule ihre Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen erlernen können, ohne Angst haben zu müssen, auf Grund der eigenen Meinung diskriminiert zu werden."

Alltagserfahrungen

Der Erlass definiert den inhaltlichen und didaktischen Rahmen des fachübergreifenden Unterrichtsprinzips "Sexualpädagogik". Ausgangspunkt für dessen Umsetzung müsse die Alltagserfahrungen der Schüler darstellen sowie das "Zusammenwirken von Lehrkräften, Eltern/Erziehungsberechtigten, Schülerinnen und Schülern". Zur guten Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten "gehören u. a. Elternabende und die regelmäßige Information der Eltern und Erziehungsberechtigen".

Betont wird in dem Erlass, der den rund 25 Jahre alten "Grundsatzerlass Sexualerziehung in den Schulen" ersetzt, auch, dass die reine Vermittlung von biologischem Basiswissen zwar ein wichtiger Teil, "aber keinesfalls ausreichend ist, um dem ganzheitlichen Anspruch einer umfassenden Schulpädagogik zu genügen". Fühlen sich Lehrer im Umgang mit dem Thema unwohl oder überfordert, wird auf die Möglichkeit hingewiesen, externe Experten zuzuziehen.

Heinisch-Hosek: "Mehr Sachlichkeit"

In den vergangenen Wochen war es um den Entwurf des Erlasses zu Diskussionen über die Rolle der Familie und der Elternvertreter gekommen. Kritiker wendeten auch ein, dass sich die Sexualpädagogik nicht an definierten Werten orientiere. Anstoß nahmen vor allem katholische Familienverbände und Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP). "Mehr Sachlichkeit hätte der Sache gutgetan", so Heinisch-Hosek heute. Viele Aspekte, die vorab kritisiert wurden, wären so nie im Erlass enthalten gewesen.

Neben dem Sexualkundeerlass erging heute auch der neue "Grundsatzerlass Politische Bildung". Als Unterrichtsprinzip wurde die Politische Bildung im Jahr 1978 verankert, sie habe daher einer Überarbeitung geharrt. (APA, 22.6.2015)

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