Bosniens Justiz gegen Oric-Auslieferung an Serbien

22. Juni 2015, 17:02
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Antrag bei Schweizer Behörden eingebracht

Sarajevo/Belgrad – Die bosnische Staatsanwaltschaft hat sich am Montag gegen eine Auslieferung von Naser Oric, einst Kriegskommandant der Bosniaken in Srebrenica, an Belgrad ausgesprochen. In einem Schreiben an die Schweizer Justiz ließ die Anklagebehörde laut Medienberichten wissen, dass ein gegen Oric in Sarajevo geführtes Verfahren dadurch gefährdet werden könnte.

Laut Presseagentur Fena handelt es sich um ein Verfahren, das seit 2009 von der Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen in Sarajevo geführt wird. Details wurden nicht genannt.

Serbischer Haftbefehl

Die bosnische Staatsanwaltschaft sei zur Zusammenarbeit mit der serbischen Staatsanwaltschaft zwecks Prozessführung in Sarajevo bereit. Eventuelle, von der serbischen Justiz gesammelte neue Beweisunterlagen würden dabei miteinbezogen, teilte der Pressedienst der bosnischen Staatsanwaltschaft mit.

Serbien hatte am Sonntagabend von der Schweiz die Auslieferung Orics offiziell beantragt. Der Kriegskommandant von Srebrenica wurde am 10. Juni in der Schweiz auf Basis eines serbischen Haftbefehls festgenommen. Die serbische Justiz wirft ihm Kriegsverbrechen an sieben bosnisch-serbischen Zivilisten unweit von Srebrenica vor.

Entsprechend einem zwischen Serbien und Bosnien unterzeichneten Protokoll sollen Gerichtsverfahren zum Bosnien-Krieg (1991-95) in dem Staat durchgeführt werden, in welchem ein Kriegsverbrechen begangen wurde. Im Falle von Oric wäre dies Bosnien. Nach Worten des serbischen Sonderstaatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, haben Familienangehörige von Opfern im Fall Oric allerdings nicht ihre Zustimmung zur Prozessführung in Bosnien gegeben. (APA, 22.6.2015)

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