Statt verhextem Lottotourismus lieber Canyoning

Blog23. Juni 2015, 08:00
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Abergläubische Touristen suchen in der Kleinstadt Sort ihr Glück – wir rutschten aber Felsen herunter

Am Wochenende ging es wieder in die Natur – in die Berge nach Sort. Sort ist eine nette Kleinstadt in Katalonien in der Region Lleida, etwa drei Auto-Stunden von Barcelona entfernt.

Als wir ankamen, regnete es. Der Norden eben. Samstagfrüh dann doch Canyoning-Wetter. Mit Jordi, dem Gründer und Gruppenleiter der PioletXperience, ging es nach Salás de Pallars. An einem großen Teich überreichte er uns Neoprenanzüge, Helme und stellte uns vor die Wahl: Anfänger oder Profi? Die Route für blutige Anfänger oder auf fortgeschrittenem Niveau – mit einem Sprung aus acht Metern Höhe – anfangen? Wir entschieden uns, leicht anzufangen.

Canyoning-Spaß in der Kleingruppe

Und die Canyoning-Erfahrung war großartig. Wir rutschten einen Fels herunter, ließen uns abseilen, quetschten uns zwischen Steinbrocken durch und hatten eine Menge Spaß. In der kleinen Gruppe von vier Personen ging alles recht schnell. Nach knappen zwei Stunden war der Spaß schon wieder vorbei. Größere Gruppen brauchen oft drei bis vier Stunden.

foto: johanna hofbauer
Canyoning in Salás de Pallars.
foto: johanna hofbauer
Eine Felsenrutschpartie.
foto: johanna hofbauer
Wer möchte, kann auch ein Kanu mieten.

Zurück im Hauptquartier von PioletXperience versorgte uns Jordis Frau Anna mit Bier aus katalanischen Privatbrauereien, ausgezeichneten Tapas und Sandwiches. Gute Küche zu vernünftigen Preisen. Das junge Paar pachtet das Grundstück neben dem Sant-Antoni-Teich seit dem Vorjahr und hat viel Arbeit und Liebe in den Betrieb gesteckt.

Hexen-Lotto in Sort

Am Sonntag wollten wir uns noch die Gegend näher ansehen. Die Kleinstadt Sort hat man allerdings in zehn Minuten durch, wenn man nicht die berühmte Hexe besucht. Das ist eine kuriose Geschichte. Ein Mann hat eine Hexenstatue in seinem Geschäft, in dem er Lotterielose verkauft. Ganze Busse voller abergläubischer Touristen besuchen das Geschäft, um sich dort Lose zu kaufen. Es soll Glück bringen, die Hexe an der Nase zu berühren. Dafür steht man ein paar Stunden Schlange.

Ganz Sort ruht sich auf dem Polster des Lotterietourismus aus. In Souvenirgeschäften gibt es Schlüsselanhänger, Tassen und weiteren nutzlosen Schnickschnack mit Hexe darauf. Dieser Mann hat Geld in den Ort gebracht. Trotzdem erfreut sich der Lotterie-Zauberer ironischerweise keiner Beliebtheit. Lieber etwas Schönes sehen, als das Lotterieglück suchen.

Wanderroute zum Bergsee

Ortskundige schickten uns auf einen Berg zu einem Badesee, den Llac de Montcortes. Nach einer halben Stunde Serpentinen im Nirgendwo parkten wir unser Auto am Wegesrand. Zwar konnten wir keinen offiziellen Wanderweg entdecken, dafür sahen wir die Leute eine Pferdekoppel betreten. Wie die braven Schafe, die wir sonst nicht sind, folgten wir einfach den Einheimischen auf die Koppel und da fanden wir auch den Weg.

foto: johanna hofbauer
Idyllisch: Llac de Montcortes.

Es war bewölkt und kühl, aber als Österreicherin musste ich mich wieder beweisen und sprang einfach hinein in den See. Im Wasser war es dann doch tatsächlich wärmer als draußen. Sort ist auf jeden Fall eine Reise wert. Schon allein, um das nächste Canyoning-Level zu erreichen. (Johanna Hofbauer, 23.6.2015)

Johanna Hofbauer lebt in Barcelona und bloggt auf derStandard.at/Reisen über "Barcelona und noch Meer".

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